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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Homage To Catalonia & Landmine Spring

The Robocop Kraus live

15.03.03, Underground, Köln. Letztes Jahr im Sommer: Während der Popkomm werden ein Kollege und ich eines abends auf dem Hohenzollernring von einer Gruppe aufgeregter amerikanischer Halbwüchsiger um Hilfe gebeten. Sie wissen weder wo sie sind noch wohin sie gehen müssen. Sie wissen nur, welche Band
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15.03.03, Underground, Köln. Letztes Jahr im Sommer: Während der Popkomm werden ein Kollege und ich eines abends auf dem Hohenzollernring von einer Gruppe aufgeregter amerikanischer Halbwüchsiger um Hilfe gebeten. Sie wissen weder wo sie sind noch wohin sie gehen müssen. Sie wissen nur, welche Band sie sehen wollen: The Robocop Kraus. "Oha", dachte ich, "so bekannt sind die mittlerweile", doch weiterhelfen konnte ich ihnen nicht. So liefen sie hektisch weiter quer über die Strasse, auf der Suche nach einem Connaisseur unter lauter tumben Ringfestbesuchern.
Zurück in die Gegenwart: The Robocop Kraus haben einen Vertrag mit der legendären Semi-Indie–Plattenfirma L’Age D’Or unterschrieben, und sie sind Inhalt eines der präsentesten Gesprächsthemen der Stadt. Überall finden sich Leute, die von sich behaupten, sie schon zu "Tiger"–Zeiten so richtig geil gefunden zu haben. Bevor es (wahrscheinlich) groß knallen wird, geben sie sich noch einmal ein Stelldichein im Kölner Underground, nicht gerade einer der größten Clubs hier. Dementsprechend voll ist es, und den meisten wird klar sein, dass man sie in diesem Rahmen wohl nicht mehr so häufig sehen wird.
Dem Punk-Gedanken verhaftet wird an diesem Abend ein richtig fettes Billing aufgetischt: Den Anfang machen Landmine Spring aus der Tschechischen Republik, die phasenweise kurzweiligen Emo-Core spielen. Wegen der strengen zeitlichen Vorgaben bauen sie nach einer halben Stunde und unter wohlwollendem Applaus wieder ab, im Underground muss schließlich in aller Regel um 23 Uhr alles gegessen sein.
Danach betritt ein Typ mit dem Namen Homage To Catalonia die Bühne. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie der in dieses Line-Up gerutscht ist, will sein recht klassischer Singer/Songwriter–Pop doch so gar nicht zu den anderen Protagonisten des Abends passen. Das Publikum schenkt ihm dementsprechend wenig Aufmerksamkeit, elendig lange, pathostriefende Ansagen und eine zu sehr an Robert Smith erinnernde Stimme tun ihr übriges.
Dann aber die Headliner des Abends: Deren neue und sehr schicke Platte "Living With Other People" ist ja nun wirklich etwas ruhiger als ihre Vorgänger, doch live ist davon rein gar nichts zu spüren. Nach wie vor bekommt man äußert dynamische und sehr gewieft arrangierte Noiseattacken um die Ohren gehauen. Das Beste von den Make Up, der Int. Noise Conspiracy, Devo und noch einigen mehr wird komprimiert zu einigen gezielten Nackenschlägen, die das Auditorium zum Tanzen geradezu nötigen. So gut wie Fugazi sind sie nicht, natürlich, denn das schafft niemand. Trotzdem: Sie haben eine gute Stunde, und die reicht aus, um das Letzte aus wirklich jedem im Saal herauszuholen. Am Ende bleibt Enthusiasmus, wohin man schaut. Ein großes Konzert, eine große Band. Wir freuen uns mit ihnen über den aufkommenden Erfolg und auf ein baldiges Wiedersehen beim Immergut.