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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Lesser Matters

The Radio Dept.

›Lesser Matters‹ ist ein Album, das so ähnlich funktioniert wie ein homöopathisches Heilmittel: Die maximale Wirkung wird nicht durch möglichst hohe, sondern möglichst geringe Dosen des Wirkstoffs erreicht. The Radio Dept. aus Malmö brauchen keine großen Gesten. Sie verstehen es, ihre schöne Traur
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›Lesser Matters‹ ist ein Album, das so ähnlich funktioniert wie ein homöopathisches Heilmittel: Die maximale Wirkung wird nicht durch möglichst hohe, sondern möglichst geringe Dosen des Wirkstoffs erreicht. The Radio Dept. aus Malmö brauchen keine großen Gesten. Sie verstehen es, ihre schöne Traurigkeit dezent und mit feinem Humor zu äußern: in klassisch instrumentiertem Indie-Pop mit deutlichem 80er-Einschlag, leise meist, nur selten leicht angerockt. Klingt nach quer gescheitelten Mittdreißigern mit zugeknöpften schwarzen Hemden, hochgeschnittenen Karottenhosen und perfekt sortiertem Weinregal. Und nicht nach ein paar Wollmützen-Slackern, schätzungsweise Anfang zwanzig. Umso erstaunlicher, was für eine großartige erwachsene Musik diese Kids machen. Sänger Johan Duncansen bekommt gleich mehrere Gratwanderungen auf einmal hin: Sein Gesang ist kühl, ohne schnöselig zu klingen; seine Leidenschaft versteckt er nicht, sondern hält sie stilsicher im Hintergrund – sehr kontrolliert emotional, ohne berechnend zu sein. Auch die wunderbare Catchiness der Songs kriecht dem Hörer nicht gleich plump und penetrant ins Ohr, sondern nähert sich erst mal vorsichtig, um einem nicht gleich zu nahe zu treten. Höfliche Zurückhaltung nennt man so etwas. Und das kann so unwiderstehlich charmant sein. Wo The Radio Department auf feine Zwischentöne setzen, liefern The Faint den saftigen Gegenentwurf. Eine Gratwanderung auch dieser Ansatz: Die Band aus Omaha grabbelt auf den letzten Wühltischen der Popgeschichte und kommt dabei trotzdem würdevoll und elegant rüber. The Faint feiern die 80er-Jahre auf die etwas rustikale Weise: mit Schraddelgitarren, übermäßig fett produzierten Synthies, polternden Beats und Vocoder-Gekrächze. Zum Auflockern streuen sie noch etwas New-Model-Army-Romantik und Elektro-Krawall-Punk dazwischen. Man kann verstehen, warum Bandgründer Conor Oberst seinen Freunden schon bald nicht mehr folgen konnte und seinen eigenen Laden aufmachte.