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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Prodigy, Fatboy Slim, Mark Ronson: Alpenidyll im Ausnahmezustand

Das war das Snowbombing 2011

Was im österreichischen Zillertal einmal im Jahr abgeht, muss man miterlebt haben - sonst glaubt man es nicht. Katharina Försch war für uns dabei.
Geschrieben am

Als durchschnittlich musikbegeisterter Mensch sollte man mit 30 Jahren schon diverse Festivals mitgemacht haben und wissen wie´s läuft. Man hat im Schlamm gebadet, auf Wiesen seine Notdurft verrichtet und kalte Ravioli mit warmem Bier zum Galadinner erkoren. Soll heißen, mit 30 ist man ein alter Festival-Hase. Falsch gedacht. Was im österreichischen Zillertal einmal im Jahr abgeht, muss man miterlebt haben - sonst glaubt man es nicht.

Schon bei der Ankunft im Hotel werden wir auf besonders schräge Art empfangen: Ein lauthals schnarchendes Etwas im silber-glänzenden Ganzkörperanzug versperrt uns den Weg zum Aufzug. Dass dieser betrunkene Astronaut keine Ausnahme darstellt, merken wir auf dem Weg durch den an sich beschaulichen Skiort Mayrhofen, in dem das Snowbombing Festival zum sechsten Mal stattfindet. Der Großteil der Gäste sind Engländer – kein Wunder, denn die Veranstalter stammen aus Manchester und veranstalten im UK diverse Groß-Events. Das erklärt auch die "Fancy Dress"-Themenabende: “Outer Space – Astronuts & Aliens” – so lautete das Eröffnungsmotto des Festivalmontags. Und was einem sowohl drinnen als auch draußen an kreuz und quer herumliegenden und tanzenden Aliens, Predators, humanoiden Robotern und Trekkies begegnet, stellt selbst den kreativsten Kölner Karnevaljeck in den Schatten.
Die Musikauswahl des Festivals ist breit gefächert: Chase & Status, Skream, Pendulum oder Magnetic Man liefern den typischen UK-Breaks-Sound, mit Fenech Soler, Fake Blood, Dixon oder 2manydjs werden auch Fans gerader elektronischer Beats befriedigt. 2010 wurde Snowbombing bei der Verleihung der UK Festival Awards mit dem Preis für das beste "Overseas Festival" ausgezeichnet. Alleine die spektakulären Austragungsorte der Headliner-Konzerte rechtfertigen diese Ehrung: So wird Mark Ronson zu seinem DJ-Set auf dem 3000 Meter hohen Kitzsteinhorn mit Hubschrauber chauffiert, Fatboy Slim legt in einem Iglu namens "Arctic Disco" auf und The Prodigy geben das Abschlusskonzert im Wald von Mayrhofen.

Resümee: In 15 Jahren Festival-Historie habe ich noch nie so viele verrückte Leute gesehen, denen die Party über alles geht und die die Musik und Atmosphäre einfach genießen, ohne angestrengt cool wirken zu wollen – ob man jetzt auf dem Berg oben ohne oder im Club unten ohne herumlaufen muss sei dahingestellt...

Die 5000 Besucher hat es jedenfalls nicht weiter gestört, dass der Schnee zum Skifahren schon zu sulzig, die gesträhnte Haarpracht von Mark Ronson verbesserungswürdig und an Schlaf – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit dank grölender betrunkener Engländer – nicht zu denken war...

"The mountains will never ever be quite the same again" – so heißt es in der Abschlusskundgebung der Veranstalter...