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What's behind the choreography?

The Pipettes live

18.10.06, Köln, Prime Club. Passend zum Semesterbeginn steigt im kleinen Naherholungsgebiet an der Ausgehmeile Zülpicher Straße im Kölner Prime Club eine Party. Und man weiß sofort ganz genau, wo man ist, wenn es beim Soundcheck nicht "Test, Test" oder "One-Two-One-Two" heißt, sondern "Uuh shalalala
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18.10.06, Köln, Prime Club. Passend zum Semesterbeginn steigt im kleinen Naherholungsgebiet an der Ausgehmeile Zülpicher Straße im Kölner Prime Club eine Party. Und man weiß sofort ganz genau, wo man ist, wenn es beim Soundcheck nicht "Test, Test" oder "One-Two-One-Two" heißt, sondern "Uuh shalalala". Geladen haben die britischen Pipettes und ihre Backingband, The Cassettes, mit bestickten Kärtchen und schicken Anstecknadeln. Mit ihrem Debüt "We Are the Pipettes" haben sie diesen Sommer einige der ultimativen Jahreszeit-Hits geliefert. Auf jeden Fall Stücke, die auch im aufkommenden Herbst noch perfekt funktionieren sollten.

Die Themen der Pipettes-Songs sind schon etwas eindimensional: Es geht um Love, Love und noch mal Love. Inhaltlich noch mal herunter gebrochen auf intensive Einfachheiten und catchy Zeilen mit unbekümmerten Perspektivenwechseln von "Ich verzehre mich so" bis zu "Deine Liebe kann mir gestohlen bleiben". Die Pipettes treten als Konzept in Erscheinung. Ein Konzept aus Outfit, Tanz und Musik. Sie werfen sich selbst auf die Bildfläche. Ganz "We are The Pipettes". Und man weiß nicht, ob es Absicht ist, dass man ein bisschen im Ungewissen bleibt über das, was dahinter steckt - ein Spaß, eine Geschäftsidee, eine Revolution zurück zur Tanzbarkeit und etwas Adrettem, das es vielleicht faustdick hinter den Ohren hat? Ist aber auch ziemlich egal, denn in jedem Fall ist es ein Konzept, das aufgeht, weil es aus Fleisch und Blut zu sein scheint. Meint: Hier war nicht Detlef D! Soost am Werk.

Die Pipettes haben etwas Aufrührerisches an sich, weil sie nicht vollkommen glatt sind, weil die Stimmen schön sind, aber nicht so wie Beyoncé und Christina, sondern eher wie Kathleen Hannah. Und auch während ihres Konzertes halten die Pipettes, was das Konzept verspricht. Es ist durchgehend tanzbar, und die Band entpuppt sich als unterhaltsam und sehr lustig. Es fühlt sich an wie "La Boum" gucken. Es lohnt sich sicher, bei einem Pipettes-Konzert weit vorne zu stehen, um all die kleinen Gesten und Shouts zwischen Rose, Becky und Gwenno gut beobachten zu können. Die Songs haben tolle Call-Response-Funken und sehnsüchtige Shalalas, Harmoniegesänge, bei denen man die Arme weit ausbreiten und dem Nachbarn/der Nachbarin je nach Song um den Hals fallen oder eine kokett-abschätzige Handbewegung zuwerfen kann. Allein - der Beat ist immer gleich. Pipettes-Songs sind immer mal wilde, mal schmachtende Tanznummern, denen auf die Dauer wohl ein Spannungsbogen fehlen würde. Wobei es auch etwas abwegigere Nummern im Programm gibt, die das Bandkonzept verheißungsvoll ankratzen, das weitere Potenzial der Pipettes andeuten und gespannt machen auf "The Pipettes Are Back" oder "Pipettes Strike Again", oder wie auch immer das nächste Album wohl heißen mag.

Das Set dauert letztendlich nur eine gute Stunde plus eine Zugabe, das ist es dann. Aber es ist eine schöne Stunde. Und auch das Publikum scheint dadurch glücklich geworden zu sein. Die tolle Vorband der Pipettes, The Michelles, habe ich leider verpasst. Am Merchandisestand konnte man aber beobachten, wie ausführlich sie sich mit nachgereisten Fans beschäftigten. Anständige räudige Jungs, ganz Pipettes-Style, vermutlich.