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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Now You Are One Of Us

The Paper Chase

“Keine Wonne kommt der des Grauens gleich”, so drückte es Clive Barker einmal aus, jener Visionär des Schreckens, der mit seinem identitätspolitisch aufgeladenen Body-Horror einst das Grusel-Genre für die Generation X ff. fit spritzte. Ist ja auch zu schön, im Grunde der Existenz von namenloser Angs
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“Keine Wonne kommt der des Grauens gleich”, so drückte es Clive Barker einmal aus, jener Visionär des Schreckens, der mit seinem identitätspolitisch aufgeladenen Body-Horror einst das Grusel-Genre für die Generation X ff. fit spritzte. Ist ja auch zu schön, im Grunde der Existenz von namenloser Angst berührt und zur nackten Kreatur reduziert zu werden. Zumindest, wenn einem die schlechte Botschaft aus zweiter Hand dargebracht wird – von Stellvertreter-Splatteropfern und imaginierten Seelenwracks etwa. Selber genießt man die Zerstörung und Katharsis dann doch lieber im Schutze des Kinosaales oder der Leselampe. Oder man lauscht John Congleton und seiner Band The Paper Chase. Die verstehen auch was von Angst. Jede einzelne Sekunde ihrer Musik vibriert vor Unruhe und evoziert Szenarien kaputtester Monstrosität. Eigentlich unerträglich in ihrer schmerzhaften, stampfenden Disharmonie, zerlegen die Songs alles, was in der populären Gitarrenmusik als schön und eingängig gilt, und montieren die zuckenden Überreste zu einem wankenden zyklopischen Monster zusammen. Klangbilder? Ween, wie von George A. Romero neu erfunden, laben sich unter bleiernem Novemberhimmel am dampfenden Gedärm des Rock und singen dabei Kinderoperetten from Hell. Oder rezitieren sie doch eher die Fernsehnachrichten? Wie auch immer: “Now You Are One Of Us” ist der nahezu perfekte Soundtrack zur Kultur der Angst, die nicht nur in Congletons Heimatland, den USA, gepflegt wird. Was die Wonne des hier gefeierten Grauens dann doch etwas mildert. Denn gegen gezielte Prekarisierung von Lebensentwürfen und die Instrumentalisierung diffuser Terror- und Existenzängste helfen auch keine Silberkugeln.