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Keine halben Sachen

The Mars Volta live

Chaotisches Gegniedel in Perfektion - unser Autor Thorsten Schmidt reiste mit Bixler Zavala und Rodriguez-Lopez durch die Musikgeschichte.
Geschrieben am
08.03.08 Köln, Palladium.

Extrem ist das Stichwort des Abends: Extrem intensiv die Performance. Extrem lang und verwirrend für Ahnungslose. Extrem die Reaktion auf einen Zwischenruf aus dem Moshpit. Extrem die Musik von The Mars Volta generell. Im mexikanischen El Paso erlebt man schließlich andere Dinge als im wohlbehüteten Mitteleuropa. Ob drogentote Freunde, Mord oder parallele Universen - das hier ist nichts zarte Gemüter. The Mars Volta fordern klare Stellungnahme: Gib dich hin und Du wirst belohnt werden. Oder lass es bleiben, nebenbei hören kannst Du woanders. Entweder es macht "Klick" und ein Rausch der Musikalität offenbart sich, oder es bleibt ewiges nerviges Gegniedel.

Ist doch der Ansatz von The Mars Volta und derer in Persona Gitarrist und Songwriter Omar Rodriguez-Lopez weniger der Song an sich, sondern vielmehr das Zusammenfügen von offensichtlich möglichst vielen verschiedenen Teilen der Musikgeschichte zu einem großen Ganzen. Kein Rhythmus der nicht gespielt wurde, kein abrupter Wechsel oder Break ausgelassen. Spaß macht was schräg ist. Um diese Darbietung ansatzweise verarbeiten zu können, ist die Kenntnis der Studioalben unerlässlich. Andernfalls ist im ewigen Spiel mit der Dynamik kaum ein Unterschied auszumachen, viel zu schnell wird das Ruder herumgerissen und die Richtung gewechselt.

Die Präsentation des aktuellen Albums 'The Bedlam In Goliath' zeigt die achtköpfige Band im zu großen Kölner Palladium in Topform. Bereits um kurz nach 20 Uhr geht es los und Sänger Cedric Bixler Zavala ist extrem gut drauf: So viel ist er selten herumgesprungen, statt Afro trägt er jetzt eine Haarpracht die irgendwie an eine frisch frisierte Hundedame erinnert. Er scheut sich allerdings auch nicht mit einer Fellmütze eines Fans aus dem Publikum herumzutanzen, Grimassen zu schneiden und sich zum Affen zu machen. Hätte man so nicht erwartet.

Leider lässt der Sound im ersten Viertel Wünsche offen und Perlen wie 'Roulette Dares' oder 'Viscara Eyes' verblassen. Mit der Zeit bessert sich das aber und spätestens beim extrem abgewandelten 'Cygnus... Vismond Cygnus' kocht die Bude. Voller heavy Jams erlebt man The Mars Volta in ihrer besten Form. Das liegt anno 2008 insbesondere am neuen Schlagzeuger Thomas Pridgen: Der gerade mal 24 Jahre junge Kalifornier spielte schon mit Dennis Chambers und treibt den Rest der Band über 3 Stunden mit seinem Spiel fern von gut und böse druckvoll und filigran vor sich her...Atemberaubend. Pridgen ist bereits der vierte Schlagzeuger bei The Mars Volta, und noch jeder bildete das Fundament für die eher Solo- und improvisatorisch geprägte Spielweise des musikalischen Leiters Rodriguez-Lopez.

So stark wie zurzeit war dieser Motor allerdings noch nie! Lopez braucht sich nur noch drüberlegen und mit den Bandmates an Tasten, Sounds, Gebläse und Perkussion die Bälle hin- und herspielen. Chaotisches Gefrickel? Ja sicher, deswegen ist man ja da! Zum letzten Drittel des Sets gibt es dann ein kleines Akustik-Set. Eigentlich eine gute Idee da willkommene Abwechslung. Leider ist aber der Geräuschpegel im Publikum sehr hoch, so dass ein lauter Zwischenruf den zierlichen Gitarristen zum Ausrasten bringt. 'Asilos' wird noch zu Ende gebracht, aber statt eines weiteren Akustik-Tracks geht es direkt ins große Finale 'Day Of The Baphomets'. Cedric ist ebenfalls sauer und stellt sich nur noch in den Hintergrund. Immerhin, hier können sich alle noch mal so richtig abreagieren. Ob aus Wut oder Ekstase hängt von der jeweiligen Verfassung ab. Ein extremer Abend - alles gut so.

Setlist:

Roulette
Viscera
Wax
Goliath
Ouroborous
Tetris
Agadez
Cygnus
Aberinkula
Drunkship
Asilos
Miranda (gestrichen)
Baphomets

Und das sagt ihr bzw. LogIntro stina67: "Krass, drei Stunden in Köln und überhaupt nicht langweilig, im Gegenteil!"


Ein exklusives Interview mit The Mars Volta findet ihr hier.