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Dem Wahnsinn in die Augen blicken

The Low Anthem im Gespräch

Die Band aus Providence um Ben Knox Miller und Jeff Prystowsky hätte es so einfach haben können. Sie hatte die Stimmen und das Songwriting, um im Fleet-Fox’schen Wohlklang baden zu gehen. Stattdessen verschanzten sich The Low Anthem jahrelang in einem alten Theater und verloren sich in »Eyeland«, dem vielleicht hirnsprengendsten Folk-Album des Jahres.

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Es beginnt harmlos: ein seufzender Klang – vielleicht eine singende Säge? –, dann eine Orgel, ein verwehtes Field-Recording, schließlich zarter Gesang und die Zeilen: »No one here believes in suicide, you can turn off the show under your eyelids ...« Ab da beginnt eine akustische und lyrische Reise, die uns in die Gedankenwelt einer Gruppe Kinder führt, die nach einem traumatischen Vorfall mit einem brennenden Air-Hockey-Tisch im Grenzgebiet zwischen Realität und Fantasie, Wahnsinn und Wahrheit bestehen müssen.

Wer The Low Anthem also in erster Linie für ihr wohlklingendes Album »Oh My God, Charlie Darwin« liebt, muss für »Eyeland« ein wenig Wagemut mitbringen. »Wir verbrachten vier Jahre mit unserer gewohnten Arbeitsweise, hinterfragten sie nie«, erinnert sich Ben. »Das war wie ein schleichendes Gift. Wir mussten einen neuen Cocktail mischen, und dafür brauchten wir Zeit, neue Zutaten, den Mut, uns selbst zu sabotieren – und noch mehr Zeit.« Jeff ergänzt: »Wir lebten zusammen, nahmen jeden Tag auf, mixten gemeinsam, verwarfen es wieder, begannen von Neuem. ›Noch einen Take!‹, das war unser Schlachtruf.«
Möglich war dieser Prozess vor allem, weil die beiden ein altes, leer stehendes Theater in ihrer Heimatstadt bezogen und es nach einem Jahr sogar wieder eröffnen konnten. »Das Columbus Theatre existiert seit gut 100 Jahren, es wurde 1926 erbaut«, erklärt Ben. »Der Konzertraum wurde vor allem für Opernsänger konzipiert. Der Klang ist gigantisch. Jetzt lebt das Gebäude wieder: Es gibt Sessions, Konzerte, Theater – wir haben während unserer Aufnahmen auch gut 30 Bands darin produziert.«

Es grenzt an ein Wunder, dass The Low Anthem trotzdem zu dem Punkt kamen, »Eyeland« in die Welt entlassen zu können – und zwischenzeitlich nicht den Verstand verloren. »Unser Management meinte, wie würden unsere Reputation sabotieren«, sagt Jeff, »aber zwischen all den Experimenten gab es immer Songs, Geschichten, Strukturen. Wir sind dennoch sehr dankbar, dass diese Songs den Prozess überlebt haben.« Wir ebenso. Eine Theaterversion von »Eyeland« ist bereits in Planung – wir wünschen uns den Plot dann bitte auch als Mysterie-Serie bei Netflix und Co. Würde funktionieren.

The Low Anthem

eyeland

Release: 17.06.2016

℗ Washington Square Music. Marketed by Washington Square Music. Distributed by Concord Music Group, Inc.