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The Lemonheads

The Lemonheads

Bei Evan Dando ist man sich ja immer nie ganz sicher: Ist er nun ein geiles Genie, das alles aus dem Rockstarleben rausholt, dabei immer Kind geblieben und sogar zufrieden geworden ist – oder ist er doch eher eine tragische Figur, weil er seit nunmehr über zehn Jahren dem richtig großen Ruhm der frü
Geschrieben am
Bei Evan Dando ist man sich ja immer nie ganz sicher: Ist er nun ein geiles Genie, das alles aus dem Rockstarleben rausholt, dabei immer Kind geblieben und sogar zufrieden geworden ist – oder ist er doch eher eine tragische Figur, weil er seit nunmehr über zehn Jahren dem richtig großen Ruhm der frühen Lemonheads-Jahre hinterhertorkelt und dabei drogenmäßig ganz schön unter die Räder kam? Glaubt man dem Interview, das er Intro-Chefredakteur Thomas Venker gab, muss es tatsächlich Ersteres sein. Evan ist eine Suchttype, ziemlich maßlos, dabei aber immerhin genussfähig. Und das alles wäre er auch ohne Jahre in den tollsten Hotels und auch ohne die tollen Songs, die er immer wieder rauszuhauen imstande war. Insofern ist die goldene Schleife um Evans Exzesse nur ein Bonus und kein Verhängnis. Und aufgrund dessen sei es ihm auch gegönnt, sich mit seinem guten Namen und einer Hand voll guter Stücke immer mal wieder sanieren zu wollen. Ist doch viel näher an der stets geforderten Rock-Authentizität dran als all die Luschen-Acts, die einen glauben machen, jedes Jahr wäre ein Album von ihnen vonnöten. Nö, Evan komponiert, wenn er finanziell mal wieder muss. Und damit es sich diesmal auch richtig lohnt, hat er den eigenen Namen abgelegt und greift zum Denkmalbegriff „The Lemonheads“. Kluger Schachzug, wo doch eigentlich niemand außer ihm von damals noch dabei ist. Aber all diese Rahmenhandlung, all dieses Informationsornament ist nichts gegen folgenden Claim: „The Lemonheads“ klingt verdammt nach der Phase von 1991-1993, die die verträumtesten, schnulzigsten und vielleicht besten Songs der Bandkarriere überhaupt raushaute. Referenzhölle seien also somit „It’s A Shame About Ray“ und „Come On Feel The Lemonheads“. Dass er das 2006 noch draufhat, Respekt. Bisschen spinnert, bisschen wimpy und unbegrenzt melodiös und ergreifend. Und dass der Sound mitunter auch so dynamisch und nach einem alten Bekannten klingt, dafür sorgt unter anderem der Coup, J. Mascis, die andere betagte Grunge-Primadonna, mit ins Boot, also die Band zu holen. Was sollte man hier anderes machen, außer eine Empfehlung auszusprechen? Wer die Lemonheads je für irgendwas mochte, hier ist es drauf, ohne antik zu klingen.