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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Facts And Figures

The Legends

Im Inlay der CD ist in chronologischer Reihenfolge von 1974 bis 2006 für jedes Jahr eine Platte aufgelistet. Alles Alben, die Johan Angergård, der Kopf hinter The Legends, auf seinem Werdegang beeinflusst haben. Da steht in den 70ern Barry White neben Kraftwerk, und in den 80ern folgen die Televisio
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Im Inlay der CD ist in chronologischer Reihenfolge von 1974 bis 2006 für jedes Jahr eine Platte aufgelistet. Alles Alben, die Johan Angergård, der Kopf hinter The Legends, auf seinem Werdegang beeinflusst haben. Da steht in den 70ern Barry White neben Kraftwerk, und in den 80ern folgen die Television Personalities auf Depeche Mode. Irgendwo tauchen auch The Ramones und The Exploited auf und immer wieder Morrissey, The Smith und in regelmäßigen Abständen die Pet Shop Boys. Man braucht sich also keine Gedanken darüber zu machen, wo wichtige Einflüsse von The Legends zu suchen sind, dass wird einem in aller Gründlichkeit und zeitlich großzügig anberaumt Schwarz auf Weiß präsentiert. Ganz so stil-heterogen ist „Facts And Figures“ dann doch nicht angelegt. Mit Exploiteds „Barmy Army“ hat das Album zumindest und zum Beispiel wenig am Hut. Das läuft dann wohl unter der Kategorie „Jugendsünde“ im Hause Angergård. Vielmehr schieben sich zwei Pop-Veteranen in den Vordergrund, die bei vielen unter derselben Kategorie laufen: die bereits erwähnten Pet Shop Boys. Mit der aktuellen Platte hat das Phasen-Ein-Mann-Projekt, das in den Anfangstagen live auch mit neun Musikern auftrumpfte, Gitarren-orientierten Pop-Nummern endgültig den Rücken gekehrt. Man ist mit beiden Füßen auf dem Tanzboden gelandet. Unterkühlte Arpeggiator-Synthies eröffnen die Platte. Dass sich Angergård oft wie Neil Tennant anhört, wurde ihm schon bei den beiden Vorgängeralben attestiert, und obwohl sich Titel wie „Disco Sucks“ gegen die vermeintlich oberflächliche Clubkultur wenden, flackern zu Songs wie „Play It For Today“ und „Heart“ die beleuchteten Rechtecke auf der Tanzfläche im Takt, dass Trevor Horn seine wahre Freude dran hätte. Doch nicht nur in puncto Disco-Tauglichkeit hat der smarte Schwede auf die beiden Londoner Pop-Autoritäten geschielt. Besondere Aufmerksamkeit galt wohl auch deren Umgang mit homosexueller Ästhetik. Die Fotos im Booklet zeigen ihn in eins a Siegessäulen-Pose: mit Sporthöschen und Doppelripp-Unterhemd in Sprint-Position. Da wird kokettiert, um dann am Ende doch nichts explizit zu machen. Eine direkte homoerotische Textstelle ist beispielsweise nirgends auszumachen. Doch in Zeiten, in denen sonntags im Vorabendprogramm Karsten Flöter homosexuelle Aufklärung in peinlich-plakativer Art und Weise mit voller Breitseite in deutsche Wohnzimmer schleudert, ist das nur sympathisch. In puncto Queer-Diskurs ein elegant wirkendes Stück Kunst. Fürs Auge, Ohr und ganz klar auch fürs Bein.