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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Keep On Your Mean Side

The Kills

“We met in London, kind of looked at one another and wrote each other down. At the end of a different year, we met again, shook hands, decided to write music together / transcontinentally.” Leider erweist sich die Idee, den anderen mit Songentwürfen in Form von Tapes qua Post zu versorgen, als zu la
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“We met in London, kind of looked at one another and wrote each other down. At the end of a different year, we met again, shook hands, decided to write music together / transcontinentally.” Leider erweist sich die Idee, den anderen mit Songentwürfen in Form von Tapes qua Post zu versorgen, als zu langwierig. Also kratzt die Amerikanerin Alison Mosshart ihr letztes Geld zusammen und setzt sich in den Flieger nach London, um Jamie Hince zu treffen: “I’m coming, I’m moving.” Ein paar Monate später ist ihr gemeinsames Debüt, die “Black Rooster”-EP (Domino, 2002), geschrieben. Allein ein Name fehlt: Wie wär’s mit ... The Kills? Yeah! Diese kleine, aber durchaus sympathische Geschichte erzählt Mosshart in ihrer Short-Bio. Was vielleicht ganz gut zur Musik des Duos passt: The Kills sind trotz eines “The” im Namen nicht unbedingt hypewürdig. Sie machen Blues. Vor allem Bluesrock. Mal abgesehen von Jon Spencer, Royal Trux oder V-Twin, war Blues in den letzten Jahren doch eher das Gegenteil einer spektakulären Manövriermasse. Natürlich ändert das nichts an der Qualität von “Keep On Your Mean Side”. The Kills spielen all die bewährten Riffs und Hooks, man erinnert sich sofort. Gern zitieren sie Captain Beefheart, 70s-Rock, Rock’n’Roll oder beschwören die staubigen Geister Australiens: Beasts Of Bourbon, Kim Salmon, Feedtime. Bisweilen klingen sie wie eine harmonische Antwort auf Royal Trux. Doch obwohl sie einen ähnlichen performativen Umgang mit Blues wie das Duo pflegen, Blues in anderen Worten als Junk-Trip in die eigene Abgefucktheit inszenieren, arbeiten The Kills doch nicht an einer musikalischen Zerdehnung oder gar Zerstäubung des Genres. “Keep On Your Mean Side” wirkt nicht zuletzt ob seiner minimalistischen Instrumentierung – mehr als Gitarre und Schlagzeug sind eher selten zu vernehmen – gut strukturiert. Und gerade weil hier alles so schön übersichtlich ist, hallt der Hall noch nachhaltiger, erscheint die Hypnosis durch fortwährende Repetitionen beinahe vollkommen, klingt Mosshart möglicherweise noch mehr nach Patti Smith als gewöhnlich. The Kills, so viel ist sicher, wollen unterhalten. Und cool sein. Beides gelingt ihnen. Außerordentlich gut sogar.