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Lingo Lounge

THE JELLYFISH KISS

Unverkennbar JELLYFISH KISS - keine Frage: Akkordeon & Violine, die markante Stimme Andrea Caprez' und nicht zuletzt auch dessen Zeichnungen, welche die skurrilen Texte Christoph Schulers im wunderschönen Booklet illustrieren. Seit dem '94 erschienenen zweiten Album der Schweizer Band um das Comic-D
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Autor: intro.de

Unverkennbar JELLYFISH KISS - keine Frage: Akkordeon & Violine, die markante Stimme Andrea Caprez' und nicht zuletzt auch dessen Zeichnungen, welche die skurrilen Texte Christoph Schulers im wunderschönen Booklet illustrieren. Seit dem '94 erschienenen zweiten Album der Schweizer Band um das Comic-Duo Caprez/Schuler, "Luna Hotel", das mit genau diesen Elementen für sich einnahm und hier nochmals nachhaltig empfohlen sei, ist viel Zeit vergangen, bedingt durch eine selbst auferlegte Schaffenspause nach dem Tod Olivier Monneys (dr).
Unverkennbar JELLYFISH KISS - nicht doch eine Frage? Zumindest die Atmosphäre auf "Lingo Lounge" ist eine andere. Suchte man Szenarien für beide Werke, so würde das positiv anmutende Pop-Album "Luna Hotel" vielleicht an einem lauen Sommerabend vor einem Kaffeehaus, "Lingo Lounge" hingegen nachts und nicht auf freien Plätzen spielen. Einen angemessenen Schauplatz für JFKs "music for drinkers with an attitude" böte eher schon das Variété vom Cover (bzw. Booklet).
Im Tempo verhalten, stellenweise fast lethargisch, umgarnen in dieser Kaschemme vorwiegend düstere Stimmungen - die Instrumentierung macht's: Das bisher bedeutende Gespann Akkordeon/Violine wich in den Hintergrund; während Valentin Kessler das Akkordeon nur etwas zurücknimmt oder gegen einen (in "Porcupine" wunderschön perlenden) Flügel eintauscht, tritt an die Stelle der Solo-Violine das Streichensemble plus Fagott DIE KNÖDEL. Ganz neu hinzu - und schon sehr prägend - kommt Hubl G, der nicht nur in der gemeinsamen musikalischen Leitung mit Matthias Constanzer (git, violin u. a.), sondern auch als Schlagzeuger und mit elektronischen Effekten Akzente setzt.
Auch wenn gerade Akkordeon-dominierte Stücke wie der Walzer "Lovely People" oder das Instrumental "Polka Fernandel" den eher dunkleren Eindruck relativieren, an keiner Stelle wird der gesteckte Rahmen gesprengt. Sinnig in diesem Zusammenhang auch die Wahl von "Lingo Lounge" als Opener und dem völlig übermüdeten "Paradise Close" als Rausschmeißer.
Wo Musik, Lyrics und Zeichnungen früher einzelne, sich fast widersprechende Ausdrucksebenen darstellten, bilden sie heute gemeinsam ein geschlossen wirkendes Ganzes. Mehr noch: Mit "Lingo Lounge" ist THE JELLYFISH KISS ein Album gelungen, das Eigenes entwirft.