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Exklusiv: Das ganze Interview

The Hold Steady

Unser Autor Heiko Behr traf Sänger Craig Finn der US-Indies The Hold Steady und sprach mit ihm über Bruce Springsteen, Barmusik, Indie und Scorsese. Den typischen Indiekanon eben.
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Unser Autor Heiko Behr traf Sänger Craig Finn der US-Indies The Hold Steady und sprach mit ihm über Bruce Springsteen, Barmusik, Indie und Scorsese. Den typischen Indiekanon eben.

Nach den Anfängen in Minneapolis lebt ihr ja jetzt schon ein paar Jahre in Brooklyn, New York. Wie hat sich das ergeben?
Ich bin eigentlich schon vor sechs Jahren hingezogen, als meine letzte Band Lifter Puller sich aufgelöst hat. Hauptsächlich ging es mir darum, einen Wechsel einzuläuten, aber ich wusste eben auch, dass New York eine Stadt mit großen Möglichkeiten für kreative Leute ist. Und dann hatte ich auch schon eine Menge Freunde da. Einiges vermisse ich an Minneapolis schon, aber insgesamt war es ein guter Entschluss umzuziehen. Ich mag vor allem Brooklyn und bin da, so oft es geht.

Fühlst du dich da einer Szene angehörig?
Ich denke, da gibt es tausende von verschiedenen Szenen, es fühlt sich zumindest nicht wie eine große Szene an. Wir kennen aber eigentlich nur ein paar Bands dort. Die Stadt ist einfach zu groß, um eine zusammengehörige Szene zu haben. Außerdem ist jeder so beschäftigt dort. Minneapolis hat hingegen eine sehr eng verknüpfte Szene.

Du vermisst also Minneapolis immer noch ab und zu, und in euren Songs geht es ja oft explizit um Minneapolis. Liegt das auch daran, dass Minneapolis eben mehr für eine durchschnittliche Stadt steht als New York?
Nein, eigentlich liegt es nur daran, dass ich Minneapolis am besten verstehe, ich komm eben von da. Wenn ich mir eine Geschichte ausdenke, spielt sie immer automatisch dort.

Stimmt es eigentlich, dass ihr euch wirklich gegründet habt, während ihr "The Last Waltz", den legendären Scorsese-Film vom Abschied von The Band, gesehen habt? Du kannst das jetzt hier mal richtig stellen…
Das ist tatsächlich so passiert. Ich hatte damals eine ganze Zeit keine Musik mehr gemacht und als ich den Film sah, realisierte ich, wie viel Spaß eine Band machen kann - besonders wenn man sich etwas locker macht und sich eher auf den Spaß als auf Trends konzentriert.

Mit dieser Einstellung habt ihr euch ja anscheinend die Bezeichnung "America´s Numer 1 Bar Band" verdient - das behauptet euer Management zumindest. Wie siehst du das?
Tja, wir machen Musik und hängen in Bars rum. Wir haben einen sehr geerdeten Stil und sind im Grunde nicht anders als die Typen, neben denen man eben so sitzt in Bars.

Musikalisch gesehen erinnert eure Musik stark an amerikanische Barmusik, wie sie seit Jahrzehnten im ganzen Land läuft. Im Gegensatz zu anderen Bands scheint es mir so zu sein, dass ihr dabei allerdings keine Klischees weitertragt sondern eher zitiert für eure eigenen Zwecke…
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was du damit meinst…Ok, sprechen wir ein bisschen über deine Texte, in denen es ja oft um Teens geht. Ist das für dich schwierig, dich in ihre Welt zurückzuversetzen?
Eigentlich nicht, aber mit 35 hat man eben eine andere Perspektive darauf, Teenager zu sein. Viele Dinge find ich heute lustig, die ich damals als Teenager beängstigend oder peinlich empfand. Teenager denken ja oft, sie wissen alles, aber wissen eigentlich überhaupt nicht viel - allein deshalb sind sie schon echt unterhaltsam.

Darum geht´s auch ständig ums Saufen, ums Drogen nehmen, die Exzesse und den Morgen danach…
Höhen und Tiefen sind mir wichtig. Und Trinken und Drogen sind sehr übliche Mittel, mit denen Leute sich künstlich ihre Highs und Lows verschaffen. Ich versuche, den Hangover genauso zu beschreiben wie den Höhepunkt.

Um nochmal darauf zurückzukommen: würdest du zustimmen, dass es bei dir um die typische amerikanische Jugend in der typischen amerikanischen Stadt geht?
Ja, aber ich hoffe, diese Erfahrungen sind universal und Leute von anderen Ländern können sich da auch reinversetzen. Ich glaube, dass sie das können.

Für mich steckt ihr zwischen den Stühlen: einerseits musikalisch nicht wirklich Indie, die Texte hingegen nicht wirklich Middle-of-the-Road. Wie siehst du das?
Wir kommen ja aus der Indieszene, davor waren wir in der Punk- und Hardcoreszene. Das gibt uns eine Basis, aber wir spielen mittlerweile eher straight ahead music. Diesen elitären Anspruch der Indieszene, das find ich furchtbar, das ist doch dumm. Ich will, dass jeder zu uns kommt und sich toll fühlt, unabhängig davon, ob er einen tollen Haarschnitt hat oder nicht.

Wie würdest du denn deine momentan musikalischen Einflüsse beschreiben?
Bruce Springstein könnte ich schon sagen, das ist ein lebendiger Storyteller, der Geschichten über seine Herkunft erzählen kann. Das versuchen wir genauso.

Trotz gewisser stilistischer Ähnlichkeiten gibt es aber doch Punkte, die euch von den klassischen Künstlern abgrenzen…
Ich denke, wir haben den Spirit und die Energie, die von Punk und Indie kommt, da ist der Unterschied, wir sind eher inspiriert durch neuere, moderne Musik.