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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kräutertee und Rap via Powerbook

The Herbaliser

Jake Wherry und Olli Teeba sind lustige Gesellen. Die Bar des Hotels, in der das Interview hätte stattfinden sollen, war anderweitig belegt. Also laden sie in ihr kleines Hotelzimmer zum entspannten Rumlümmeln ein. Und wir verlagern die vereinbarte Listening-Session von der pompösen Anlage der Hote
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Jake Wherry und Olli Teeba sind lustige Gesellen. Die Bar des Hotels, in der das Interview hätte stattfinden sollen, war anderweitig belegt. Also laden sie in ihr kleines Hotelzimmer zum entspannten Rumlümmeln ein. Und wir verlagern die vereinbarte Listening-Session von der pompösen Anlage der Hotelbar kurzerhand auf die eingebauten und doch eher Bassfrequenz-losen Speaker von Jakes Powerbook, auf das er nach wie vor sichtlich stolz ist. Immerhin darf ich, genauestens beobachtet von seinen Argusaugen, die mitgebrachten CDs selber ins Laufwerk schieben und starten. Dann wird aber über jeden Track so viel geredet, dass wir in der Zeit, die uns laut Interview-Schedule zur Verfügung steht, nur knapp ein Viertel des angestrebten Tonträger-Häufchens anhören können.

"Macht nix", sagt Jake nachher grinsend, "es gibt so viel schlechte Musik. Sei froh, dass wir nicht drüber gesprochen haben." Der typische, leicht zynische Humor der Herbalisers entstammt dem schnarchigen Londoner Vorörtchen Twickenham, das die beiden seit ihrer Geburt nie wirklich ernsthaft zu verlassen gedachten. Im Gegenteil: "Eigentlich fühlen wir uns pudelwohl dort. Man hat seine Ruhe, und es ist so beschaulich." Zwar haben Jake und Olli samt 8-köpfiger Band in den letzten 2 Jahren an die 350 Gigs weltweit absolviert, von Montreux bis Australien, aber home is eben where the heart is. Das gilt nicht mehr unbedingt für das Label, bei dem sie noch unter Vertrag sind, Ninja Tune: Anno 2001 haben The Herbaliser ein Live-Album namens "Session One" selbst herausgebracht und gleich an die 30 000 Exemplare autark verkauft - siehe www.theherbaliser.com. Das hat natürlich selbstbewusst gemacht. Aber: Vertrag ist Vertrag. Das neue Album "Something Wicked This Way Comes", u. a. mit Rakaa Iriescience (Dilated Peoples), MF Doom, Blade, Wildflower und Phi Life Cypher, erscheint letztmals auf Ninja Tune. Aber jetzt: Sound ab ...

Super_Collider: "Messagesacomin" Remix (No Future)

Olli: Das klingt ziemlich TripHop-mäßig, findest du nicht? Aber ich mag es trotzdem, irgendwie (lacht). Jake: Ein Super-Beat, aber ist echt ganz schön elektronisch für meinen Geschmack. Hey, jetzt kommen Vocals ... Oh, die Stimme ist gut.

4 Hero: "Hold It Down" (Talkin' Loud)

Jake: Das kenne ich irgendwoher. Eine echt coole Nummer, sehr geschmackvoll. Ach ja, 4 Hero. Es gibt einige Parallelen zu uns, obwohl wir natürlich ganz andere Musik machen. Chris Bowden hat für unser neues Album String- und Hornarrangements gemacht - er macht sonst viel für 4 Hero. Die kommen ja auch aus London, aber das sind eher so Innenstadt-Leute. Ich respektiere ihr Zeug, das ist wirklich wicked. Die Sängerin hier ist verdammt gut.

Talib Kweli & Bahamadia: "Chaos" (Rawkus)

Olli: Ah, ich erkenne den Beat natürlich. Ich hab das irgendwo auf Maxi, hab ich früher auch oft aufgelegt. Ich weiß sogar, wie sie aussieht. Es ist eine Promo-Maxi mit rotem Sleeve. Warte mal, nicht sagen ... Talib Kweli, klar. Von der "Soundbombing". Eine großartige Nummer. Das ist zeitloser Shit, wirklich klasse.
Jake: Und mit Bahamadia, oder? Mit der haben wir ja für unser letztes Album gearbeitet, das war cool. Die Frau hat einfach einen unglaublichen Flow und schreibt gute Texte. Mach mal lauter ... (nickt im Takt mit dem Kopf). Hört man gar nicht, dass das schon ein paar Jahre alt ist. Das ist HipHop, wie er eigentlich sein sollte, Mann.

(Es folgt ein 20-minütiges Gespräch über US-HipHop, UK-Rap und Mainstream)

Roots Manuva: "Juggle Tings Proper" (Big Dada)

Jake: (nach dem ersten Takt, noch vor dem Rap-Part) Manuva, der gute alte Junge. Das ist sehr, sehr gut, der hat was ganz eigenes. Er vereint seine unterschiedlichen Roots in diesem sehr tighten Sound. Produziert selber, hat Ahnung von Technik. Hat `ne extrem coole Stimme, der Mann. Und was zu sagen. Lass mal laufen ... Einfach sehr gut gemacht. Ist vom ersten Album auf Dada, oder? Ein Klassiker.

The Herbaliser: "Something Wicked This Way Comes" (Ninja Tune)

Olli: Das kenn ich glaub' ich auch (lacht). Ist natürlich der hervorragende Titeltrack unseres neuen Albums. Ein brilliantes Meisterwerk, übrigens (lacht).
Jake: Wir haben das mit einer Opernsängerin namens Seaming To aufgenommen. Eine sehr beeindruckende Person mit einer tollen Stimme, auf einem wirklich guten Backing (lacht). Wir wollten so eine Shirley-Bassey-Atmosphäre. (Swingt mit). Hey, ich glaube, du hast das Bettlaken ins CD-Laufwerk vom Powerbook eingeklemmt. Wart' mal, drück' diesen Knopf ....

The Herbalisers derzeitige DJ Top 5:

1) DJ Format: Ill Culinary Behaviour
2) X-Ecutioners feat. M.O.P.: Let It Bang (Period Remix)
3) Eddie Bo & The Soul Finders: We're Doin' It (Thang)
4) Tina Turner: Bold Soul Sister
5) The Sugarmen 3: Funky So And So