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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Springsteens Nachbarn

The Gaslight Anthem

Geschichten, die der Punkrock schreibt: endloses Touren und Mitgröl-Refrains. The Gaslight Anthem vertrauen auf uralte Rezepte und pendeln dabei zwischen Bruce Springsteen und Social Distortion.
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Geschichten, die der Punkrock schreibt: endloses Touren und Mitgröl-Refrains. The Gaslight Anthem vertrauen auf uralte Rezepte und pendeln dabei zwischen Bruce Springsteen und Social Distortion.
 
Die Pressebilder der vier aus New Jersey ähneln sich: Breitbeinig stehen sie da, amtlich armtätowiert. Ein mackerhaftes Rockidyll. So offensiv lässig hat man das lange nicht mehr gesehen. Sänger Brian Fallons Unterarm ziert das Tattoo einer Fender Telecaster, eine Hommage an Joe Strummer von The Clash. Drummer Benny Horowitz trägt den Umriss von New Jersey auf dem Oberarm. Meinen die das ernst? Durchaus, denn wie man allerorten hört, wird Bodenständigkeit hier noch gerne gepflegt. Fallon ist ein paar Blocks entfernt von Bruce Springsteens Elternhaus aufgewachsen. Er hat nichts dagegen, in einem Atemzug mit ebenjenem genannt zu werden. Und tatsächlich entpuppt sich der „Boss“ bei näherer Betrachtung dieser Retro-Punk-Truppe mit Anleihen an Classic-Rock, Hardcore, Rockabilly und Roadtrip-Folk als der wichtigste der zahlreichen Referenz-Musiker, mit denen The Gaslight Anthem immer wieder in Verbindung gebracht werden.

„Es geht darum, woher wir kommen. Brian ist ein Geschichtenerzähler. Er ist hier aufgewachsen, und deshalb handeln unsere Geschichten von hier“, meint Schlagzeuger Ben Horowitz. „American Slang“ heißt ihre neue Platte und deutet bereits im Namen an, wie furchtlos diese Ostküsten-Amerikaner den erdverbundenen Jersey-Shore-Sound mit ihren Gitarrenverzerrern fortschreiben. So, wie Bruce Springsteen oder South Side Johnny bereits vor 30 Jahren ihren Alltag als Underdogs in einer stereotypen Industriegesellschaft im Nordosten Amerikas zu stark narrativen Geschichten verdichteten, schreibt Fallon nun die seinen: ebenso hemdsärmelig, süffig und immer nah an den eigenen Erlebnissen entlang, nur eben mit einer Hardcore/Punk-Vergangenheit im Rücken.

„Brian hat diesmal versucht, ohne Metaphern auszukommen. Dabei sind ziemlich eindeutige Songs herausgekommen, die wenig Raum für Interpretationen lassen“, sagt Horowitz. Songs über durchzechte Nächte, Einbahnstraßen-Jobs, über die problematischen Seiten von Beziehungen. Es sind Texte, die sich ausschließlich aus dem eigenen Erleben speisen und immer wieder als Credo auf den Titel ihres Debüts hinauslaufen: „Sink Or Swim“. Angst vor Klischees haben diese vier jedenfalls nicht.