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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Kunst des Multitasking

The Garden live in Hamburg

Wenn The Garden die Hamburger Nochtwache abreißen, ist für manchen schwer zu entscheiden, ob man sich dem Rausch hingeben oder ihn besser für die Nachwelt festhalten soll.

Geschrieben am

23.3.2018, Hamburg, Nochtwache

Die Schwierigkeit des Multitasking kann einem in den unwahrscheinlichsten Situationen schmerzhaft bewusst werden. Triviale Kombinationen wie Telefonieren und Bügeln liegen ja noch im Bereich des leicht Möglichen — mit einem weitaus größeren Problem fühlen sich große Teile der unerwartet jungen Meute konfrontiert, die den Weg zum Auftritt der Genregrenzen-Zerhacker The Garden in der Hamburger Nochtwache gefunden haben: Hemmungslos euphorisch zwischen Pogo und Ausdruckstanz changieren zu müssen, gebieten der Auftritt wie das gerade angebrochene Wochenende gleichermaßen, das ganze Treiben gleichzeitig per Smartphone zu dokumentieren, verlangt der Instagram-Account. Es dabei dann noch zu schaffen, nicht über die einzelne Stufe des urigen Kellerclubs zu stolpern, überfordert dann schon die meisten.

Allerdings befinden sich die paar Dutzend Anwesenden — zusammengesetzt aus gefühlt zwei Dritteln Deutsch-LK, einem Drittel Philosoph im Master-Studium — da in bester Gesellschaft: Auch den Shears-Zwillingen Wyatt und Fletcher, die live das komplette Line-up von The Garden bilden, gelingt es zwischen Sprüngen auf Schlagzeug und Verstärker, wildem, flummigleichen Tanz und allgemeinem Abfeiern der eigenen, vom Band abgespielten Beats nicht komplett, immer das Gleichgewicht zu wahren. Erden lassen sich die Garden Twins nur in den fast schon wahllos erscheinenden Fällen, in denen sie tatsächlich ihren Bass beziehungsweise ihre Drumsticks in die Hand nehmen, um ihre Parts live einzuspielen.

So erscheint das am ehesten hitverdächtige, da noch einigermaßen eingängig-stringente »All Smiles Over Here :)«, das den regulären Teil des knapp einstündigen Sets beendet, wie die logische Hymne einer großen, abgefuckten Feier, die schon mit dem Support ihren Anfang nimmt: Prada Meinhoff transportieren ganz dem Namen gemäß eine Ästhetik zwischen Barbie und RAF und schaffen es mit ihrem breitbeinigen, basslastigen Elektro-Punk sogar, dass die bereits Anwesenden den Sicherheitsabstand vor dem Bühnenrand auflösen. Deren blonder Wirbelwind von Frontfrau wirkt auf die Abiturientinnen ganz vorne jedoch so einschüchternd, dass sie ihre Smartphone lieber gleich in der Hosentasche lassen. Spaß haben geht eben doch am besten, wenn man nicht sieben Sachen gleichzeitig machen muss.

The Garden

Haha

Release: 09.10.2015

℗ 2015 Epitaph