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Zollen sich selbst Tribut

The Futureheads

Man muss es leider so sagen: The Futureheads waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Als im vergangenen Jahr die große Welle britischer Gitarrenbands zunächst die Insel und dann den Rest der Welt überschwemmte, ging es dem Quartett aus Sunderland ein bisschen wie dem berühmten Treibholz, floating o
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Man muss es leider so sagen: The Futureheads waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Als im vergangenen Jahr die große Welle britischer Gitarrenbands zunächst die Insel und dann den Rest der Welt überschwemmte, ging es dem Quartett aus Sunderland ein bisschen wie dem berühmten Treibholz, floating on the water: Sie waren nur dabei – nicht mittendrin. Ein dummer Zufall, nicht mehr. So sehen es zumindest Bassist Jaff und Drummer Dave Hyde. Bester Dinge sitzen sie auf dem Zimmer eines Kölner Hotels, um über ihr neues Album “News And Tributes”, ihr zweites, zu reden. Von Verbitterung keine Spur, von Resignation noch viel weniger. “Wir fühlten uns in der Tat ein wenig vernachlässigt und übersehen”, konstatiert Jaff. “Es kam uns teilweise vor, als wenn einige Bands uns etwas die Butter vom Brot genommen haben. Wir dachten, wir sind diejenigen, die die bessere, wenngleich kompliziertere Musik spielen. Populär wurden dann andere Bands”, sagt er, ohne Namen zu nennen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, taten sie aber das einzig Richtige: Sie besannen sich auf ihre Stärken. Die liegen auch beim zweiten Album einmal mehr im zeitweilig vierstimmigen Gesang – der anders als beim Vorgänger aber nicht mehr so überpräsent wirkt, sondern Raum für Neues gelassen hat. Während das ungemein catchige “Favours For Favours” oder die nicht minder schnell zündende erste Single “Skip To The End” den Eindruck erwecken, die Zukunft sei in der Vergangenheit (und somit beim Debüt) stehen geblieben, überraschen Songs wie das getragene “Thursday” auf der einen, das dramatische “Cope” und die Krach-Eruption “Return Of The Berserker” auf der anderen Seite. Zwischen diesen beiden Extremen changiert “News And Tributes”, das die Band mit Produzent Ben Hillier (u. a. Blur und Depeche Mode) in knapp fünf Wochen auf einer kleinen Farm in North Yorkshire aufgenommen hat. “Hätten wir das Album in London aufgenommen, wäre es vermutlich ein wenig zynischer ausgefallen”, sagt Jaff, der keinen Hehl daraus macht, dass es ihm im beschaulichen Sunderland weitaus besser gefällt als in der hippen Metropole. Wie es um die News steht, ist hinreichend geklärt. Was aber hat es mit den Tributes auf sich? Und warum der Albumtitel? “Zum einen, weil es ein Album voller neuer Songs ist”, erklärt Jaff, zugegeben erschöpfend. “Zum anderen, weil wir uns mit diesem Album verbeugen wollen: vor bestimmten Menschen, die uns wichtig sind. Aber auch vor Ereignissen – und selbst dem Akt des Songschreibens kann man sich so hingeben, dass man seiner Kunst Tribut zollt.” So handelt der Titeltrack vom Flugzeugabsturz der Mannschaft von Manchester United, jener Katastrophe über München, die als das “1958 Munich Air Disaster” in die Geschichte einging. “Back To The Sea” zieht den Hut vor dem Jazzmusiker Chet Baker, der aus Los Angeles vertrieben wurde und Zuflucht am Strand suchte. “Wir möchten jetzt aber nicht allzu pathetisch werden und mit unserem zweiten Album solchen Menschen gleich ein Denkmal setzen”, schaltet sich auch Dave gegen Ende in das Gespräch ein. “Halten wir fest: Wir zollen uns selbst Tribut.” Kann man so stehen lassen.