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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Fuck The System

The Exploited

Dereinst als vorpubertierendes Kid, ich muss es gestehen, wollte ich besonders hart sein, ging in den Plattenladen vor Ort und verlangte nach Punk. Der Verkäufer legte “London Calling” auf, doch ich war entsetzt: Dieses Pop-Gedudel sollte Punk sein? Am Ende habe ich den Laden - zur späteren Freude m
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Dereinst als vorpubertierendes Kid, ich muss es gestehen, wollte ich besonders hart sein, ging in den Plattenladen vor Ort und verlangte nach Punk. Der Verkäufer legte “London Calling” auf, doch ich war entsetzt: Dieses Pop-Gedudel sollte Punk sein? Am Ende habe ich den Laden – zur späteren Freude meiner Eltern – mit einer Platte von The Exploited verlassen. Natürlich war das alles total falsch, natürlich stehen The Clash für alles Coole, was Punk jemals ausgemacht hat, The Exploited dagegen für Verfall, Gesinnungs-Lyrik und Tonnen von rausgerülpstem Dosenbier. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit Songs wie “Fuck The System”, “Fucking Liar” und “You’re A Fucking Bastard” ist die lyrische Vielfalt bereits hinlänglich beschrieben, musikalisch donnert das alles ebenso vollmundig nach vorne, garniert mit den suppendicksten Gitarrensoli seit oder neben Slayer. Aber mal ehrlich: Soll darüber nun gerichtet werden, aus dieser abgeklärten Indie-Position heraus, die dann aber gleichzeitig so etwas wie Surrogat gut finden darf, obgleich dort mit denselben Standards gespielt wird? Wo beginnt das Klischee und wo die Demontage? Alles nur eine Frage von intern festgelegten Codes, hergeleitet unter oft sehr mühsam abgerungenen Argumentationsketten. Entweder man akzeptiert diese “Fuck you”-Geste als gut gemachtes Klischee, in dem sich auch so etwas wie eine Art Kunstwerk erkennen lässt, oder man spielt den Spaßverderber mit all jenen Argumenten, die sowieso hinlänglich bekannt sind. Natürlich ist das stumpf, plump und völlig hinter allen Monden – mit dreizehn habe ich es dennoch nicht missen wollen, sondern eingesogen wie Wolfsmilch, um eine ganze Armee der Finsternis gegen Spießer, Bullen und Staat in mir wachsen zu lassen. Es kann also, um Oscar Wilde hier mal abzuwandeln, manchmal ganz hilfreich sein, zur richtigen Zeit einen schlechten Geschmack zu haben.