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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sun, Sun, Sun

The Elected

& Kelley Stoltz Below The Branches Sub Pop Klar, Sub Pop ist nicht mehr das große Indie-Monster, das nach dem Ende von Grunge bewusstlos und ohne Führung durch die Gegend torkelt. Das Label hat sich gesundgeschrumpft und in den letzten Jahren einige grandiose Bands
Geschrieben am



&
Kelley Stoltz
Below The Branches
Sub Pop

Klar, Sub Pop ist nicht mehr das große Indie-Monster, das nach dem Ende von Grunge bewusstlos und ohne Führung durch die Gegend torkelt. Das Label hat sich gesundgeschrumpft und in den letzten Jahren einige grandiose Bands hervorgebracht. Man kann nur hoffen, dass Sub Pop in der momentanen Hochphase nicht die alten Fehler wiederholt, sich überschätzt und wie anno 1997 wahllos umherstreifende Bands signt. Zwei neue Platten geben eine gute Übersicht über das Spektrum von Sub Pop 2006: The Elected aus Los Angeles, die Band um Rilo-Kiley-Gitarrist und Songwriter Blake Sennett, versuchen auf ihrem zweiten Album "Sun, Sun, Sun" viel von dem vorgeblich zeitlosen Retro-Sonnensound Kaliforniens nachzustellen. Die meisten Songs entstanden auf Tour, im Bandbus oder im Motel und verströmen durch Reminiszenzen an amerikanische Rockmomente und textliche Anspielungen auf reale Personen und Orte eine Mischung aus Biederkeit und Intimität. Sennetts atemloser Gesang erinnert dabei zuweilen an Conor Oberst und Elliott Smith, doch wird die reine Melodramatik mit Wildwest-Harmonien und Psychedelic Pop vermengt. Was einige immer noch ergreifend finden, wird manchem auch nach mehrmaligem Hören nur ermüdend vorkommen. "Sun, Sun, Sun" ist zwar ein rundes Werk voller vielschichtiger Instrumentierung, aus der Blake Sennetts charismatische Stimme herausragt, allerdings eher unter Middle of the Road als unter Indie-Country einzuordnen. Kelley Stoltz dagegen bemüht auf "Below The Branches" nicht den alten amerikanischen Mythos von der Band und dem Leben auf Tour, zumindest nicht vordergründig. Eine gewisse Zerrissenheit und die Suche nach dem Platz, den man Zuhause nennen kann, sind auch ihm nicht fremd. Momentan wohnt der ehemalige Fanpost-Bearbeiter von Jeff Buckley in San Francisco und hat sich Jonathan-Richman-mäßig in einer eigenen kleinen Welt zwischen Folk und Garagen-Rock'n'Roll eingerichtet. "Below The Branches" gefällt mit improvisiert anmutenden, von klaren Klavierlinien angetriebenen Pop-Schrägheiten, ist insgesamt originärer und geht nicht nur wegen der wunderbaren psychedelischen Sommer-Ballade "Summer's Easy Feeling" als Sieger aus diesem labelinternen Battle of the Bands hervor.