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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Foreverland«

The Divine Comedy

Gediegener Kammerpop aus England: Neil Hannon, der Mann hinter dem Ein-Mann-Projekt Divine Comedy, macht Musik, die man entweder elegant oder schwülstig finden kann.
Geschrieben am
Wer sich nach dem Hauptwerk des Dichters Dante Alighieri nennt ist zweifellos ein kulturbeflissener Mensch. Folgerichtig war Neil Hannon immer der Mann für den orchestralen Popentwurf, der hinter seinem Projekt The Divine Comedy verschwand. Ein von irdischen Banalitäten gelangweilter Dandy, der in Großbritannien noch am ehesten einen Bruder im Geiste in Jarvis Cocker fand. Als Wiedergänger einer Figur wie Oscar Wilde stellt man sich Hannon vor, wie er seine Songs an einem Klavier im Salon eines viktorianischen Herrenhauses champagnertrinkend hinter schweren Samtvorhängen komponiert.

Auch »Foreverland« ist mondän und gewohnt opulent arrangiert und steht deshalb in einer Linie mit Divine Comedys zehn vorangegangenen Alben. Hannon selbst beschreibt das Thema so: »Es geht darum, einen Soulmate zu treffen, glücklich zusammenzuleben und um das, was nach diesem Glück geschieht«. So weit, so dramatisch. Deshalb singt er wehmütig von Liebe, etwa im gelungenen »Other People«: »There is no you, there is no me, when set against eternity. And jealousy is just an urge to rule over the universe. It is worthless and destructive, and always counter productive«. In anderen Songs lebt der Nordire sein Faible für tote Monarchen aus, wahlweise Napoleon oder Katharina die Große. Überhaupt Geschichte: Wann hörte man zuletzt einen Popsong, dessen Text die Entente Cordiale erwähnt, jenes Abkommen zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich von 1904? Insgesamt ein stimmiges Album, dessen pompösen Stil man allerdings mögen muss.

The Divine Comedy

Foreverland (Deluxe Version)

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Divine Comedy Records

The Divine Comedy »Foreverland« (PIAS / Rough Trade)