×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Devil, You + Me

The Notwist

Die einzige deutsche Indie-Popband von Weltruf bringt ihr neues Album heraus
Geschrieben am

Die einzige deutsche Indie-Popband von Weltruf bringt ihr neues Album heraus. Die Band, die mit Alben geizt und die Erwartungen immer wieder bis zum Bersten spannt. Die Herren, die sich trotzdem so rein gar nicht um ein genehmes Image bemühen. Glaubhaft. Das erste Mal in der dokumentierten Geschichte von Notwist ist jemand gegangen: Martin Messerschmid, der alte Hardcore-Prügler, hat scheinbar das sich immer fester drehende Rad der Notwist'schen Experimentierwut nicht mehr mitmachen wollen.



Das ist zwar Spekulation, wahrscheinlich aber nicht allzu weit hergeholt. Die verbliebenen drei Bandmitglieder, die Brüder Acher und Console, haben darauf verzichtet, einen festen Ersatz zu verpflichten. Stattdessen haben sie die Länge der Gästeliste im Vergleich zum Vorgänger "Neon Golden" nochmals ausgedehnt. Am Schlagzeug sitzt meistens ein junger Jazzer namens Andi Haberl, und tatsächlich ist es vor allem das Drumming, das entscheidend anders klingt als zuvor. Gut möglich, dass Messerschmid seinen Stil einfach nicht mehr derart verändern konnte und wollte.

Ansonsten sind die Entwicklungen Notwists in den letzten sechs Jahren erwartbar, also verhältnismäßig gering ausgefallen. Die elektronischen Elemente sind unverkennbar Console, Stimme und Songwriting haben sich ja sowieso nie entscheidend verändert, und auch das gesamte Soundgewand ist deutlich an "Neon Golden" angelehnt. Zwei Aspekte fallen auf, die wahrscheinlich miteinander verbunden betrachtet werden müssen: Zum einen setzen die aktuellen Notwist nicht mehr so sehr auf einen emotionalen Anschluss, haben ihre Hymnik etwas zurückgestellt, zum anderen kann man auf "The Devil ..." ein Orchester hören, das fast alle Stücke des Albums mit einer breiten Palette an klanglichem Ornament verziert hat.

Das Andromeda Mega Express Orchestra ist ein junges Berliner Ensemble, das die Traditionen von Jazz und Klassik zu verbinden versucht und die von der Band gestellte Aufgabe zwar mit Hingabe, aber letztendlich doch angenehm dezent ausgeführt hat. Die dramatische Streicher-Ouvertüre in "Where In This World" ist in diesem Zusammenhang schon eines der offensichtlichsten Beispiele. Resultat daraus ist, dass die Stücke auf "The Devil ..." lange Zeit nicht so unwiderstehlich poppig wirken wie "Pilot" oder "Trashing Days" vom Vorgänger. Die meisten Songs hätten zwar das Zeug zu klassischen Hits gehabt, der Wunsch der Band nach Abstraktion oder einem aufmerksamkeitsintensiven Klangbild behindern diese Wahrnehmung aber.

Erst spät, mit "Boneless", gönnen sich Notwist 2008 richtig perlende Eingängigkeit. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Album nicht der erwartete große Wurf ist. Im Gegenteil - The Notwist haben ihr Soundgewand an sensiblen Stellen erweitert, sie haben ihren Popappeal nicht über Bord geworfen, sie haben abermals eine hinreißend feine Atmosphäre geschaffen, wie nur sie es können. The Notwist haben die schwere Aufgabe gemeistert, ein veritables The-Notwist-Album zu machen, das sich bruchlos in die einzigartige Diskografie dieser Band einreiht.