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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Smoke And Mirrors & Four On The Floor

The Datsuns & Juliette And The Licks

Lange Haare, enge Jeans, riffsüchtig und kein gesteigertes Interesse an Musik nach 1984: die Datsuns aus Neuseeland. Vor vier Jahren gingen die richtig ab, vor allem „Harmonic Generator“ dürfte noch jedem im Ohr sein, den es Richtung Rock zieht. So sexy runtergestrippt und stoisch wie auf ihrem Debü
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Lange Haare, enge Jeans, riffsüchtig und kein gesteigertes Interesse an Musik nach 1984: die Datsuns aus Neuseeland. Vor vier Jahren gingen die richtig ab, vor allem „Harmonic Generator“ dürfte noch jedem im Ohr sein, den es Richtung Rock zieht. So sexy runtergestrippt und stoisch wie auf ihrem Debüt kommt man 2006 aber natürlich nicht mehr zusammen. Die Datsuns sind „gewachsen“, wie man so schön sagt, das ist in ihrem Alter ja auch noch wünschenswert. Die alte Garage findet sich mittlerweile ziemlich aufgemöbelt wieder, wurde auf Hochglanz gebracht. Jetzt läuft hier so richtig hochgezüchteter Hardrock. Aber nicht die Dancefloor-geprüfte Variante, wie sie z. B. Wolfmother gerade in die Clubs pumpen. Die Datsuns liefern ihre 70er-Reminiszenzen mit allen Extras ab, inkl. Slidegitarren à la Rose Tattoo, WahWah-Solos, Gospel-Chören und einer superlangen Ballade. Ja, „Smoke & Mirrors“ ist ein richtiger Schinken geworden, aber ein bekömmlicher, mit wenig überflüssiger Schwarte und viel Biss. Die Datsuns haben nämlich keinesfalls an Energie und Tempo verloren. Sie versuchen nur ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Und dass die eher merkwürdig sind, war ja immer klar und ist Teil ihres Ruhmes. Außerdem schreiben sie authentische, packende Songs, die sie als echte Genre-Aficionados mit speziellem Fokus auf diverse Aussie-Rocker identifizieren. Das bleibt wohl nicht aus, wenn man aus Neuseeland kommt. Die haben diesen Sound mit der Muttermilch aufgesogen, und in dieser Klasse kriegt ihn momentan auch kein anderer hin. Und das macht sie in Sachen Hardrock zu einem der führenden Luxusmodelle weltweit.

In diese Liga möchte zweifelsohne auch Wirbelwind Juliette Lewis vorstoßen. Mit einem Hang zur großen Geste und einem beachtlichen Stimmspektrum hat sie dafür ganz gute Karten, auch wenn es sie in die eher abgefuckten Gefilde des Genres zieht. Zusammen mit ihren Licks gibt die Frau mit den Knieschonern wirklich alles und fährt den totalen Rockzirkus auf. Nein, Juliette And The Licks machen tatsächlich keine halben Sachen, und mit „Four On The Floor“ haben sie nicht nur einen guten Albumtitel gefunden, sondern gleichzeitig auch eine treffende Bezeichnung für ihre Musik. Und die ist definitiv dafür gemacht, sich mit anderen schwitzenden Gestalten irgendwo rumzuschubsen. Auch keine schlechte Idee war es, Dave Grohl ans Schlagzeug zu bitten, dessen Beat der ganzen Sache den nötigen Biss verleiht. Die Platte hat einen rauen, aggressiven Live-Charakter, schiebt sich einfallsreich über die gute halbe Stunde durch und macht irgendwie Lust auf harten Alkohol. In dieser Beziehung waren die letzten 20 Jahre Musikgeschichte vielleicht wirklich nicht ganz so wichtig. Ach ja, und wer heute immer noch ernsthaft die Begriffe Frontfrau, Rockröhre oder gar Powerfrau benutzt, ist ein dümmlicher alter Sack.