×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Are You Ready To Rambo!?

The Dandy Warhols

"Spiel mal den nächsten Song!" sagt Courtney Taylor-Taylor zu einer eher unbeteiligten Person, die geschäftig an einem Powerbook werkelt. Neben ihm an einem großen Tisch sitzt Brent DeBoer. Vor ihnen liegen diverse Zigarettenschachteln, gefüllte, zu Aschenbechern umfunktionierte Untertassen, Bücher
Geschrieben am

"Spiel mal den nächsten Song!" sagt Courtney Taylor-Taylor zu einer eher unbeteiligten Person, die geschäftig an einem Powerbook werkelt. Neben ihm an einem großen Tisch sitzt Brent DeBoer. Vor ihnen liegen diverse Zigarettenschachteln, gefüllte, zu Aschenbechern umfunktionierte Untertassen, Bücher und anderer alltäglicher Kram - und gekifft wird obendrein. Und prompt hören wir ein Stück des neuen Albums der Dandy Warhols. "Das ist großartig! ...", führt Courtney währenddessen aus. "Weißt du, wir machen das hier jeden Tag, nur mit unterschiedlichen Menschen. Wir beantworten oft dieselben Fragen, und das hilft uns dabei, nicht zu vergessen, weshalb wir hier sind und was wir eigentlich machen: Musik. Ja, wir haben wahrlich einen netten, 'fucking' coolen Platz in der Musikwelt gefunden."

Angesichts der Situation ist es wahrlich leicht zu vergessen, weshalb man gerade in diesem Raum zusammensitzt. Vielmehr ist man sogar verführt, sich der Illusion hinzugeben, man würde gerade in die "normale" Welt der Dandy Warhols eintauchen und sie in ihrem Studio oder zu Hause besuchen, aber eben nicht in besagtem Konferenzraum hocken. Und genau das ist wohl auch der Zweck dieser fast schon Inszenierung. Denn vor allem Courtney will seine jeweilige Umwelt zusammen mit anderen Menschen erleben, die ihre Musik hören:

"Wir mögen unser neues Album am liebsten in der Öffentlichkeit. Weißt du, auf Partys und bei anderen sozialen Ereignissen. Unsere Musik ist immer noch für dieselben Leute gemacht wie bisher. Nur ist sie viel sozialer oder, wenn du so willst, interaktiver als jemals zuvor. Und das ist sehr wichtig für uns. ... Weißt du, ich habe mit neun die Entscheidung getroffen, Musik zu machen. Ich hörte ein Stück von Kiss und eines von Simon & Garfunkel, und diese beiden so unterschiedlichen Songs haben mich einfach bewegt. Und ich realisierte plötzlich, dass Musik mich bewegen kann, vor allem Akkorde und Melodien. Ich suchte also einen Weg, um ganz einfach über Musik das auszudrücken, was ich fühle und denke. Als ich dann 17 war, musste ich schließlich etwas über Poesie, Waffen, Mode und Inscene lernen und all diese dummen, langweiligen Kriege ... Es ist eigentlich ganz einfach: Mit allem, was du mit deiner Musik oder jeder anderen Art von Kunst tust, drückst du aus, wo du stehst und wer du bist. Und wenn du das tust, ist es besser, du bist über alles informiert. Denn wenn du das nicht bist, bist du ein 'dick' und 'that sucks'. Und für mich wäre es das Schlimmste, herauszufinden, dass ich einer bin."

Neben ihrem Wunsch, ihre Musik innerhalb sozialer Strukturen zu erleben und mittels ihres Agierens und eben auch ihrer Musik an sich ein Stück ihres Lebens, Denkens und Fühlens in ihre Umwelt zu transportieren, haben sie allerdings noch zusätzlich das Ziel, dabei so viele Menschen wie möglich zu erreichen, wie Brent erklärt: "Unser Job ist es, Sounds zu machen und zusammenzufügen und so etwas für die Leute zu tun. Hoffentlich für alle. Dabei wollen wir die coolsten, hipsten Platten machen, bei denen die Leute im Straßenverkehr chillen können, da sie sich darin zu Hause fühlen."

Und wenn man dann noch die Art von Courtney erlebt, wie er die Zusammenarbeit mit diversen Gastmusikern wie Simon LeBon (Duran Duran) auf ihrem aktuellen Album erklärt, erscheint einem das alles schon fast hippiesk: "Wenn alle deine Freunde Musiker sind, ist es schwer, ein Album zu machen, ohne dass sie darauf mitspielen. Wir leben alle in einer Stadt zusammen, und wir machen alle zusammen Musik. Das ist einfach sehr traditionell, und es ist Spaß. Darüber hinaus ist jeder bei uns innerhalb der Band frei, alles zu tun, was er will. Und es ist wahnsinnig, was man so alles erreichen kann, wenn jeder für eine Sache brennt. Aber natürlich haben wir alle schon eine sehr spezielle Funktion. Pete ist beispielsweise das Arbeitspferd [Workhorse], und Brent ist mehr der Party-Junge. À la: trinkt mehr Bier und dreht die Musik mal lauter!" Lacht.

Musik als simples, spaßiges gemeinsames Party-Erlebnis? Der oberflächliche Eindruck täuscht leicht, wenngleich die Musik sicherlich der größte gemeinsame Nenner innerhalb des eigenen Umfelds der Dandys ist. Denn bei alledem wird schon sehr deutlich, dass es den Dandy Warhols eben nicht nur um den Spaß allein geht. Sie beherrschen die Kunst der Selbstinszenierung perfekt und wissen dabei ziemlich genau, wie sie sich und ihre Musik einsetzen können, um selbst weiterzukommen und damit schließlich ihrem Ziel, mehr Menschen zu erreichen, näher zu kommen.

Courtneys Ausführungen zu dem bekannten Vodafone-Werbespot, bei dem ihr Stück "Bohemian Like You" als Soundtrack diente, sagen eigentlich alles: "Oh, der Spot ist sexy. Oh Mann, das war großartig. Die Frauen ... Ich bin Filmemacher, und so weiß ich, was ich da sage. Weißt du, ich mochte, dass sie meinen Song genommen haben. Natürlich wäre es schlimm gewesen, wenn der Film schlecht geworden wäre, aber das ist er nicht. Wir alle fanden ihn gut. Und die Musiker, die das nicht gut finden, sind wahrscheinlich einfach heulende, kleine Babys, aber wir halten uns gegenseitig davon ab, zu so etwas zu werden. Genau genommen war es keine Kollaboration in dem Sinne, es geht schlicht um eine ganze Menge Geld, von dem man ein Studio bauen, seine Freunde zum Essen einladen kann, ein Leben lang ... Unsere Musik ist filmisch wie die Hölle. Es macht einfach Sinn, die Industrie für deine Ideen zahlen zu lassen, für deinen 'Arbeitsplatz' und dein Equipment. Und das ist 'fucking amazing'. Und wir sind für eine Sensibilisierung der Menschen für alle Arten von Kunst und gegen Grenzen."