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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ein Engländer in Paris

The Cinematic Orchestra

Was würde besser passen, als den Kopf einer der erfolgreichsten Jazzformationen der Gegenwart in einem Hotel in Paris zu treffen?! In der Stadt, die es wohl am besten in Europa versteht, alte Klischees mit der Gegenwart zu verbinden. Jason Swinscoe ist mittlerweile in der glücklichen Position, sich
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Was würde besser passen, als den Kopf einer der erfolgreichsten Jazzformationen der Gegenwart in einem Hotel in Paris zu treffen?! In der Stadt, die es wohl am besten in Europa versteht, alte Klischees mit der Gegenwart zu verbinden. Jason Swinscoe ist mittlerweile in der glücklichen Position, sich die Plätze aussuchen zu können, an denen er agiert, privat wie geschäftlich. In Paris kennt er sich besonders gut aus, obwohl er vom Montmartre mittlerweile nach Brooklyn rübergemacht hat: “Ich wollte es vermeiden, meinem eigenen Ruf zu entsprechen, und mich fernab des gewohnten Alltags inspirieren”, resümiert Swinscoe. Beide Wohnsitze inspirierten ihn zu “Ma Fleur”, und da noch einige Ideen übrig sind, ist das nächste Album schon angedacht. Ein Novum im bisher eher langsamen Cinematic-Oeuvre. Aber bleiben wir beim Aktuellen: Es bricht einerseits mit den Erwartungshaltungen, setzt aber auch traditionell an. Meint: Die narrative Perspektive von “Man With The Movie Camera” oder das Erfolgsrezept von “Everyday” (über 100.000 Käufer, Tendenz steigend) werden aufgegriffen, aber nicht kopiert, sondern völlig neu arrangiert: “Ich habe versucht, eine neue Instrumentierung zu finden und die Dynamik zu verändern. ‘Ma Fleur’ sollte nicht wieder durch Drums & Rhythm bestimmt werden. Es war wichtig für mich, eine Story zu erarbeiten, die mir helfen würde, die Musik und das Album dahinter zu finden”, bekräftigt er.

Dass in diesem Album nicht nur eine Geschichte, sondern auch drei unterschiedliche Charaktere stecken, die gesanglich von Fontella Bass, Louise Rhodes (Lamb) bzw. Patrick Watson zum Besten gegeben werden, kam eher zufällig zustande. Ein alter Weggefährte und Drehbuchautor erwies sich dabei als Hilfe und Anregung, denn er war von den ersten Fragmenten, die Swinscoe noch in Paris erdacht hatte, derart angetan, dass er ein fertiges Skript erarbeitete. Der Start für ein kreatives Pingpong-Spiel. Die so neu gefundene Songwriter-Perspektive verlotet das Album allerdings eher im Folk als im Jazz. Er wolle sich “re-fokussieren”, möglicherweise auch eine Frage des Alter(n)s, wie Swinscoe schmunzelnd einwirft. Trotzdem wird es Remixe geben. Vielleicht, um alten Fans, die sich in diesem neuen Kinosaal nicht zurechtfinden, Geleit zu geben? “Es kann sein, dass sich Hörer, die von ‘Everyday’ beeindruckt waren, nicht für dieses Album interessieren. Das ist ganz natürlich, doch ich hoffe, mit ‘Ma Fleur’ neue, andere Hörer zu erreichen. Ohne die alten gänzlich zu verprellen, die hoffentlich verstehen und sagen: ‘Wir lieben es, denn es ist anders.’ Aber es trägt immer noch die Handschrift der Cinematics.” Und die ist diesmal sehr sanft und melancholisch dunkelblau.