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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

We Are The Night

The Chemical Brothers

Spieler1: Früher einmal hatte man von den Chemical Brothers das Bild von jungen, sportlichen Hipstern, die ihre enorm partytaugliche Musik scheinbar nur deshalb machten, um nachts in den kleinen Clubs auch zu gescheitem Sound tanzen zu können. Später waren sie dann so etwas wie Dr. Beat, in dessen H
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Spieler1: Früher einmal hatte man von den Chemical Brothers das Bild von jungen, sportlichen Hipstern, die ihre enorm partytaugliche Musik scheinbar nur deshalb machten, um nachts in den kleinen Clubs auch zu gescheitem Sound tanzen zu können. Später waren sie dann so etwas wie Dr. Beat, in dessen Heimstudio die sauerstoffentleerte Luft stand und Tageslicht nur im Wochenintervall die detailversessene Arbeit an 1/32-Hi-Hat-Schlägen in Endlosloops störte. Und jetzt? Die Chemical Brothers haben eine Menge verdient, Ruhm und Geld, und auch der Ausgehzwang dürfte sie kaum noch triezen. Sie sind gestandene Erwachsene geworden, und sie lassen junge, hoffnungsvolle Künstler an ihrem überlebensgroßen Fame teilhaben. Sie spielen die großzügigen Gönner, ähnlich wie R.E.M. oder David Bowie, und holen sich dadurch wie nebenbei die für einen Dance-Act notwendige Aktualität ab. Bands wie die Klaxons oder Midlake werden zu Kollaborateuren, weitgehend unbekannte, aber hoffnungsvolle Solokünstler wie Ali Love oder Willy Mason erhalten Features, und alles zusammen ergibt ein Chems-Album, so gekonnt und bewährt. Und wie verhält sich das im Einzelnen?

Spieler2: Eigentlich wie im Ganzen. Die Chemical Brothers haben immer noch nicht die große, alles erschlagene Hookline aufgefahren, weil sie die einfach nie wollten. Der 4/4-Takt surrt bruchlos durch die Stücke, als hätte Fatboy Slim nie seinen Karriereeinbruch erlebt. Ein Stück wie “Galvanize”, das die beiden Briten zuletzt mal wieder an die Spitze des Moments brachte, habe ich auf “We Are ...” noch nicht gefunden. Stattdessen: Rapeinlagen aus “The Salmon Dance”, Spacesounds auf “Burst Generator” und LCD-Soundsystem-Percussions auf “A Modern Midnight Conversation”. Trance-Elemente sind auf überdurchschnittlich vielen Songs vorhanden, das gibt vielleicht einen Eindruck von den Chill-out-Vorlieben in Londoner Oberklasse-Apartments. Das Midlake-Stück ist schön. Der Titeltrack ein gutes Ravestück, funktional, ohne zu viel Ornament, so, wie man es von den beiden gewohnt ist. Die Klaxons-Kollaboration kann zum Tanzen animieren, ohne dabei zu überfordern.
Christian Steinbrink (1) / Henrik Hamelmann (2)