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Rave Explosion revisited

The Charlatans live

Die alten Rave-Recken sind wie ein guter Rotwein, findet unser Autor Calle Claus. Nicht nur aus Nostalgie zeigt er sich begeistert vom Hamburger Konzert.
Geschrieben am
15.02.08, Hamburg, Grünspan.

Das letzte Hamburger Konzert von The Charlatans habe ich 1999 urlaubsbedingt verpasst, doch nun war's nach langem Warten endlich soweit: Tim Burgess und seine Mitstreiter kamen für 2 Konzerte nach Deutschland, eines davon dankenswerter Weise bei uns aufm Kiez. Ihr neues Album wird ab März auf ihrer Website zum kostenlosen Download feilgeboten, doch an diesem Abend im sehr gut gefüllten Grünspan gibt es vor allem Altbewährtes zu hören, was hoffentlich keine negativen Rückschlüsse auf die neue Platte zulässt.

Das Publikum besteht vorrangig aus Menschen in der 2. Hälfte der 30er, die wie ich die Rave Explosion Anfang der Neunziger im besten Partyalter miterlebten. So wurden denn auch die ganz alten Knaller besonders herzlich goutiert. Das rumpelnde Wurlitzer-Intro von 'Weirdo' oder die peitschenden Orgelklänge von 'The Only One I Know' sorgten bis in die hintersten Reihen für ausgelassenes Gehüpfe.

Dass die Charlatans wie ein guter Rotwein im Laufe der Jahre eigentlich immer besser geworden sind, kann man dann abseits der alten Gassenhauer verfolgen: Von 'North Country Boy' und 'One To Another' vom gitarrenlastigen 'Telling Stories'-Album (1997) über Burgess' Falsettstimmen-Ausflüge in 'Judas' und 'Love Is The Key' (von der fabelhaften Platte 'Wonderland' von 2001) bis zum hymnenhaften 'Blackened Blue Eyes' und 'The Architect' vom tollen letzten Longplaver 'Simpatico' (2006) gab es alles zu hören, was das geneigte Fanherz hüpfen lässt.

In der Presse finden The Charlatans, zumindest hierzulande, außer "Ach, die gibt's auch noch?" kaum noch Beachtung. Das ist ungerecht, vor allem, wenn man sieht, welches Mediengewitter z.B. ihre einstigen Weggefährten Happy Mondays letztes Jahr mit ihrem mißlungenen Comeback-Album auslösten. Schön zu sehen, dass sie trotzdem noch eine frenetische Fan-Crowd auf die Beine bringen. Die Wurlitzer schnurrt und bellt, Tim Burgess streicht sich zum wiederholten Male die pechschwarze Pony-Gardine aus dem Gesicht - "Thank you, Hamburg!". Thank YOU, lads! Ach Gottchen, war das schön!

Ihr wart auch da? Eure Meinung ist gefragt!