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Lieblingslieder

The Broken Beats live

Vielleicht das schönste Konzert des Jahres: Das dänisch-deutsche Sextett unter Freunden in Köln.
Geschrieben am
11.06.07, Köln, Blue Shell.

Man sollte Indoor-Konzerte nach Ende Mai einfach gesetzlich verbieten. Dann stellt sich nämlich gar nicht erst die Frage nach der Abendbeschäftigung: Noch so'n bisschen draußen rumsitzen, bestenfalls mit Freunden oder doch ein bisschen auf gut Glück in den miefigen Club, schlechtestenfalls ohne Freunde und mit einer womöglich auch noch mediokren Band allein gelassen? So lange dieses Verbot aber noch nicht durch ist, gibt es auch noch Raum für Glücksmomente. Nicht dass ich mich ernsthaft gefragt hätte, ob ich die dänisch-deutschen The Broken Beats dem Sommerabend opfern sollte. Aber vielleicht hätten bei einem Herbsttermin noch ein paar mehr Glück suchende Menschen den Weg ins Blue Shell gefunden als die anwesenden knapp 50. Ums vorwegzunehmen: Die haben den Abend dann auch in vollen Zügen genossen.

Was zu nicht geringen Teilen vor allem The Broken Beats-Sänger und Gitarrist Kim Munk, Wahl-Hamburger, geschuldet ist. Der Mann braucht kein Elvis-mäßiges Bühnenoutfit (trägt aber trotzdem einen weißen Anzug mit kokettem roten Tuch um den Hals), er kriegt die Leute auch mit holprigen deutschen Ansagen wie "Das ist ein Lieblingslied, und zwar für zwei Männer". Und um nicht missverstanden werden: Es geht hier nicht um Drolligkeit. Der Name der Band ist ein klassischer Fall von falsch gedacht, denn der Endorphin geschwängerte Indie-Rock des Sextetts hat mit HipHop und Tanzbeats rein gar nichts gemein. Nimmt man den programmatischen 'Breakbeatsong' einmal aus, denn der klingt freilich wie er heißt. Der Rest, vom Opener des neuen Albums 'In The Ruin For The Perfect', dem Song 'Weight Of Words', über 'Waters' bis hin zur Single 'Copy', klingt wie ein All-You-Can-Eat des Pop: Thin Lizzy-Gitarren, vetrackter, dennoch aber catchy Indie-Rock und Harmoniegesänge diesseits von Eden, getragen von der quirligen Lisa, die so herzig tanzt dass man glaubt, dieses sei überhaupt das erste Mal, dass eine Band wirklich Spaß auf der Bühne habe und dass man in seiner Konzert-Biographie bisher nur Scharlaten aufgessesen sei.

Kim Munk erzählt zwischen den Songs weiterhin kleine, ungelenke Geschichten: Dass der Mensch ja zu 90 % aus Wasser bestehe und er unweigerlich "schmelze", wenn die Sonne zu heiß wird, zum Beispiel. Alle Anwesenden haben daraufhin ganz herzlich gelacht und sind mit diesem Lächeln dann später aus dem Club marschiert, wohlwissend, gerade vielleicht das schönste Konzert des Jahres genossen zu haben. Das sollen die Freunde an ihrem blöden Baggersee erstmal toppen.