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The BQE

Sufjan Stevens

Die Platte macht den Daniel Düsentrieb des Indie zu einem der wirklich großen Komponisten des Jahrzehnts.
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Die Platte macht den Daniel Düsentrieb des Indie zu einem der wirklich großen Komponisten des Jahrzehnts.

Der Brooklyn Queens Expressway, der diesem Album von Sufjan Stevens Titel und auch künstlerisches Konzept gibt, ist knapp 17 Kilometer lang und verbindet die beiden östlichen Stadtteile New Yorks miteinander. Bei Autofahrern und Anwohner gehasst und gefürchtet, ist er eine Art urbane Hölle, mit endlosen Staus, ewig währenden Baustellen und einer verbauten Verkehrsführung, die so irrwitzig ist, dass sie selbst Einheimische in den Wahnsinn tereibt.

Stevens selbst nennt die Straße "one of the world's ugliest expressways", und trotzdem oder auch gerade deswegen - und ohne dass auf der Platte ein Wort gesprochen oder gesungen würde - handelt das Album von ebendieser Straße. Die Musik, gespielt von einem fast klassischen Ensemble mit aller orchestralen Opulenz, die zwischen Gershwin, barocken Bläsersätzen, routiniertem Irrwitz und einem winzigen Teil Richard Clayderman möglich ist, nimmt noch den enttäuschtesten Fan, der sich eigentlich immer noch nach einem zweiten "Illinoise" sehnt, zu sich auf den Beifahrersitz und mit über den Asphalt eines entfesselten, gigantomanischen Bauwerkes direkt ins Herz eines Amerikas, in dem so einiges falsch lief und läuft.


Dass der Grundton dabei fast heiter, die Musik so komplex wie unmittelbar und intuitiv verständlich geraten ist, macht den Daniel Düsentrieb des Indie zu einem der großen Komponisten dieses Jahrzehnts. Und dass das Ganze nicht nur klingt wie die in Musikrezensionen oft bemühte "Filmmusik", sondern auch eine ist (der Film liegt als DVD bei) und wie das farbenfrohste aller Cover genau aussieht und was das Ganze mit 3-D-Bildern und drei Damen in Superheldenkostümen und Hula-Hoop-Reifen zu tun hat, all das kann man nicht erzählen. Man muss es hören, sehen und fühlen. Wie immer, eigentlich.