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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Endless Harmony

The Beach Boys

Bösartige Väter haben die talentierteren Söhne! Das könnte das Fazit dieses Features über die amerikanischen Pop-Ikonen sein, das sich zwar Mühe gibt, den teilweise recht bizarren Werdegang der Wilsonbrüder möglichst beschönigend, aber nichtsdestotrotz äußerst gründlich zu veranschaulichen. Im klass
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Bösartige Väter haben die talentierteren Söhne! Das könnte das Fazit dieses Features über die amerikanischen Pop-Ikonen sein, das sich zwar Mühe gibt, den teilweise recht bizarren Werdegang der Wilsonbrüder möglichst beschönigend, aber nichtsdestotrotz äußerst gründlich zu veranschaulichen. Im klassischen Rockumentary-Stil - O-Töne der Bandmitglieder unterlegt mit viel Archivmaterial - wird auf nicht besonders originelle Weise die höchst originelle Erfolgsstory des Familienunternehmens erzählt: von den ersten gemeinsamen Aufnahmen in der Garage und dem anschließenden Aufstieg zu den populärsten Vertretern der Surf-Bewegung bis zu ihrer Entwicklung als wegweisende Pioniere der Popmusik und dem krankheitsbedingten Ausstieg ihres legendären Bandleaders Brian Wilson. Die verschiedenen Haltungen der Bandmitglieder zu ihrem Projekt offenbaren ein faszinierendes Bild davon, wie der ursprüngliche Grund des Erfolges der Beach Boys - ihr unverfälschter, fast religiöser Ausdruck von Lebensfreude und Harmonie - zunehmend von profitorientierten Außenstehenden korrumpiert und gegängelt wurde. Es wird relativ schnell klar, dass in der Band zwei widersprüchliche Vorstellungen von Erfolg existierten: der sich als charismatischer Frontmann präsentierende Mike Love, der voller Stolz berichtet, wie er immer wieder die verrückten (sprich: genialen) Einfälle seines Cousins in vernünftige (sprich: kommerziellere) Bahnen zu lenken verstand, und der nicht müde wird, die Wichtigkeit seiner Funktion zu betonen, und als dessen charakterliches Gegenteil der manisch schüchterne Brian Wilson, der das Bild des ernsthaften Künstlers glaubhaft verkörpert. Dazwischen würdigt der Film sowohl Danny Wilson, der Einzige der Typen, der tatsächlich surfen konnte und der laut Elvis Costello das größte Genie der Band war, als auch Carl Wilson, der nach Brians zeitweiligem Ausstieg sein Talent als Songwriter unter Beweis stellte, und Bruce Johnston, das chronisch liebenswürdige ständige Ersatzmitglied der Band. Der kleine Beach Boy Al Jardin kommt selbstverständlich auch zu Wort, ist aber das einzige Bandmitglied, dessen Talent nicht extra gewürdigt wird. Vielleicht hat er ja keins. Freunde des Klassikers "Pet Sounds" kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie die Anhänger von tragischen Familienzwisten (die Originalaufnahmen, in denen Murry Wilson seine Söhne beschimpft, sind ein Höhepunkt), und natürlich liegt der Schwerpunkt auf der seelischen Erkrankung des genialen Arrangeurs und Masterminds der Band, Brian, der sich jahrelang weigerte, sein Zimmer zu verlassen, und dem es augenscheinlich immer noch nicht besonders gut geht. Neben wirklich interessanten Homemovies der Band bietet diese DVD noch sechs Videoclips, in denen ein immer geschmackloser gewandeter Mike Love sein spärlich vorhandenes Rhythmusgefühl unter Beweis stellt, und sieben Surround-Sound-Audio-Tracks für diejenigen unter uns, die tatsächlich bescheuert genug sind, sich eine Dolby-Surround-Anlage in die Bude zu knallen. Sollte man gesehen haben.