×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Faint und Sunshine live

The 80\'s now, Frankenstein

28.09. - Prime Club, Köln Auf meine Frage, wie denn die Vorband nun hieße ruft mir eine Bekannte im Stimmengewirr den Namen zu. "Was? Frankenstein? Echt?". Verständnislose Blicke meines Gegenübers, signalisieren, dass ich auf dem Holzweg bin. "Nee, Sunshine", werde ich mit mitleidigem Gr
Geschrieben am

28.09. – Prime Club, Köln

Auf meine Frage, wie denn die Vorband nun hieße ruft mir eine Bekannte im Stimmengewirr den Namen zu. "Was? Frankenstein? Echt?".
Verständnislose Blicke meines Gegenübers, signalisieren, dass ich auf dem Holzweg bin. "Nee, Sunshine", werde ich mit mitleidigem Grinsen berichtigt. Obwohl ich nun nicht weiß, welcher Name besser passt, denn ziemlich finster sehen die Gestalten auf der Bühne schon aus - so ganz in schwarz. Darüberhinaus ist auch der Sound eher oppositionell zum eigentlichen Bandnamen zu betrachten. Noisige Gitarrenwände und sich wiederholende, monotone Themen erinnern zeitweise an die Riffarbeit der Sisters 'Vision Thing'-Ära. Wuchtig-düstere Samples wabern durch die mal wavig, mal rockig-rotzigen Songs der Tschechen. Der Sänger erinnert gesanglich an Brian Molko, und versprüht auf der Bühne eher den morbiden als den androgynen Charme des Placebo-Sängers. Was ihn dazu bringt sich das Mikrokabel um den Hals zu wickeln und im Publikum seine Chancen beim weiblichen Geschlecht zu testen. Die Arme zur Decke gestreckt räkelt er sich singend einen Zentimeter vor dem Gesicht einer der Anwesenden. SIE zeigt sich vom plumpen Gebalz allerdings nur rudimentär bis null beeindruckt. Mit den Armen vor der Brust verschränkt guckt SIE einfach durch IHN hindurch. Das sitzt – kurze Zeit später umgarnt ER den Beamer auf der Box. Dabei waren Sunshine im Ganzen durchaus beachtenswert. EBM-No-Wave-Noise als Fortsetzung der Neo-Wave- Synthie-Pop-Schiene vielleicht? Wobei wir beim Hauptact wären.

The Faint treten zwischen zwei großen Beamer-Leinwänden auf, die passend zu jedem Song Visuals, ähnlich der 'Wet From Birth'-Cover-Ästhetik, zeigen. Einsätze, Steigerungen und Satz-Fragmente werden durch die Installationen im perfekten Wechselspiel überzeichnet. Was den Songs und deren Vehemenz zu Gute kommt, gereicht dem Improvisations-Rahmen der Omaha-Jungs zum Nachteil. Für Ansagen oder Interaktionen mit dem Publikum ist da kein Platz, jedoch agieren die Fünf um Sänger Todd Baechle so auf den Punkt, dass dieses Manko, für mich persönlich nicht wirklich zum tragen kommt. Eine Performance ohne Gitarrenstimmerei und Rumgeplänkel zwischendurch hat durchaus seine Reize. So reiht sich größtenteils Material vom neuen Album wie 'Desperate Guy', 'I Disappear' , oder 'Phonecall' Stück für Stück direkt aneinander. Aber auch Songs wie 'Agenda Suicide' von der 'Dance Macabre' oder das Talking Heads-Cover 'Psycho Killer' kommen zum Zug. Und was will uns der Talking Heads-Song mitteilen? Genau: The 80s now, bitte! Da liegen die Wurzeln und momentan gibt es keine Flucht vor dem Wave-Synthie....(s.o.)-Revival. The Faint sind da mitten drin. Doch bei den Saddle Creek-Schützlingen funktioniert das etwas anders. Wo The Rapture oder Radio4 bewusst die Gitarre mit drönenden Bässen und einzelnen Beats korrelieren lassen, legen The Faint den Schwerpunkt auf Bass und Elektronika. Das mag stringenter und weniger organisch wirken, kommt aber auch kompakter. Wobei die Visuals unter diesem Aspekt ihr übriges beisteuern. Und was machen die Füsse bei Kompaktheit für Auge und Ohr? Die der Anwesenden bewegen sich emsig, blickt man in die vorderen Reihen. Im Strobo-Gewitter wird gehüpft und fliegen Haare, und wenn die erstmal fliegen, ist es auch egal wie und wer hier zitiert wird - dann wir getanzt.