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Teufel in mir: So wars in Köln!

Badly Drawn Boy live

Dass Damon Gough alias Badly Drawn Boy nicht zu den einfachen Charakteren zählt, ist Teil unzähliger Konzertanekdoten und hinlänglich bekannt. Deshalb haben seine Auftritte neben den unbestreitbar schönen Songs noch einen zusätzlichen Nervenkitzel: Findet sein Grummeln wieder Ausdruck auf der Bühne?
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Dass Damon Gough alias Badly Drawn Boy nicht zu den einfachen Charakteren zählt, ist Teil unzähliger Konzertanekdoten und hinlänglich bekannt. Deshalb haben seine Auftritte neben den unbestreitbar schönen Songs noch einen zusätzlichen Nervenkitzel: Findet sein Grummeln wieder Ausdruck auf der Bühne?
 
19.11.2010, Köln, Luxor.
 
Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lässt sich gleich vorweg schieben: Ja, sie tat es. Badly Drawn Boy, der vor mittlerweile zehn Jahren für sein grandioses Debütalbum "The Hour Of Bewilderbeast" der profilierten Mercury Prize erhielt und dieses Jahr nach langer Pause gleich zwei Alben veröffentlichte, ist ein Songwriter-Supertalent, steht aber auf Kriegsfuß mit der Bühne.

Jedenfalls dann, wenn er sie teilen muss. Zum Protokoll: Die erste Dreiviertelstunde des Konzertes im Luxor verlief verhältnismäßig ruhig: Allein, nur mit akustischer Gitarre im Arm, spielte Gough alte Hits aus seinem mittlerweile recht umfangreichen Repertoire. Er erklärte sogar die meist ernsten und von Selbstzweifeln geprägten Hintergründe einiger Stücke, wurde aber immer grantiger, weil das zugegebenermaßen reichlich unbedarfte Publikum jeden seiner Sätze mit Lachern quittierte.
 
Erst danach sollte der Auftritt, so wie schon einige zuvor, aus der Form fallen: Gough ließ sich einen Notenständer auf die Bühne bringen und kündigte einige Songs vom neuen Album "It’s What I’m Thinking" an, die er offenbar noch nicht so recht beherrschte. Während des ersten Stückes dieses Blocks kamen auf einmal Mitmusiker auf die Bühne und setzten ziemlich willkürlich in Goughs Spiel ein. Besonders Bassist und Gitarrist wirkten dabei so unsicher, dass die Songs fast vollkommen nach ungezwungener Proberaumdudelei klangen. Das vergrätzte Gough so sehr, dass er nach einem eigenen missglückten Einsatz ins Fluchen geriet und schimpfte, er habe gerade einen der schönsten jemals von ihm geschriebenen Songs versaut.
 
Die halbwegs nachvollziehbare, irgendwie aber auch typisch skurrile Erklärung für diese Eskapaden kam kurz darauf: Der Schlagzeuger habe kurzfristig in die Heimat gemusst und sei erst für das Konzert in Berlin wieder verfügbar. Das Problem schien einzuleuchten, denn ohne die rhythmische Basis schwammen die Stücke gehörig. Schon gute 15 Minuten später beendete Gough dieses Experiment und kündigte eine zehnminütige Pause an, nach der er frei Fanwünsche erfüllen würde. Das Ende der Geschichte ist schnell erzählt: Gough kam allein wieder, spielte noch mal eine Dreiviertelstunde lang frei von der Leber weg alte Songs inklusive Springsteen-Cover zum Schluss und war bei seinem Abschied mehr als selig und überaus dankbar.
 
Diese Achterbahnfahrt der Launen ist für Badly Drawn Boy alles andere als untypisch. Man sah ihn schon auf der Bühne im offenen Streitgespräch mit Mitmusikern, außerdem brach er mehr als ein Konzert verfrüht ab. Was ihn zu solchen Eskapaden treibt, erklärt er zwischen den Songs oft selbst, zwar beiläufig, aber nicht unwillig. Er kokettiert mit Selbsthass, einem Gefühl von Sinnlosigkeit und Andeutungen von Depressionen, über die man als außenstehender nur spekulieren kann. Auf der anderen Seite zeigt sich Gough gerne eitel. Er erzählt unironisch von seinen Erfolgen, ob nun als Songwriter oder ehemaliger Chartstürmer. Zudem hasst er es, wenn die Besucher seiner Konzerte seine Songs in seiner sehr scharfen Wahrnehmung nicht ernst nehmen.

Wie das alles, nach Beobachtungen mehrerer Konzertbesuche, zusammenpasst, vermag man als Laie schwer zu deuten. Sicher ist nur, dass Badly Drawn Boy, die Wundertüte, es auch nach zehn Jahren nur in außerordentlichen Glücksfällen schafft, eine glatte Show auf die Bühne zu bringen. Irgendwas ist immer, und man wünschte dem großen Musiker Damon Gough, er könne lockerer damit umgehen.