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The Slowest Dancer

Tensnake

Die erste Version von Tensnakes Debütalbum »Glow« landete vor zwei Jahren in der Mülltonne, so unzufrieden war Marco Niemerski mit den Four-to-the-floor-Tracks, die man von ihm als Produzent des Überhits »Coma Cat« erwartet hatte. Der zweite Versuch endete – auch dank Nile Rodgers und Jamie Lidell – mit einem Happy End.
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Mit dem Disco-Schleicher »Holding Back (My Love)« hatte sich Marco Niemerski 2009 in die Herzen aller Slow Dancer gespielt. Ein Jahr später dann sorgte der Hamburger mit dem Clubhit »Coma Cat« endgültig für Furore und sah sich Remixanfragen von Lana Del Ray, Goldfrapp und den Pet Shop Boys ausgesetzt. Sein immer mal wieder angekündigtes eigenes Debütalbum musste da in der Folge hintanstehen. Zumal sich zu den plötzlich auftretenden Zeitproblemen auch noch die eigene hohe Qualitätserwartung gesellte.

Mit der ersten fertigen Version sei er so unglücklich gewesen, berichtet Niemerski bei unserem Gespräch im Vorfeld eines DJ-Sets in Hamburg, dass er das Ergebnis komplett von der Festplatte gelöscht habe. Unterstützung für den kompletten Neuanfang fand er bei Gastmusikern wie Jamie Lidell, Stuart Price und dem nach überstandener Krebserkrankung wieder allgegenwärtigen Chic-Gründungsmitglied Nile Rodgers, der bei »Glow« gleich auf zwei Songs vertreten ist. »Klar, Nile ist gerade überall, und natürlich werden manche denken: Tensnake macht jetzt einen auf Daft Punk«, setzt der Enddreißiger zur Verteidigung an, »aber wir hatten uns schon 2012 zum ersten Gedankenaustausch getroffen. Dann kam immer irgendwas dazwischen, weil wir beide viel beschäftigt sind.« Die eigentliche Session fand deswegen auch nur via Skype statt – moderne Zeiten, selbst für Disco-Ikonen.

 

Neben den beiden Rodgers-Hits gibt es auf »Glow« dreizehn weitere Disco-Pop-Bastarde, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten zwischen Boogie, Oldschool-House, R’n’B und gemütlichen UK-Beats oszillieren. Der Spagat zwischen offensichtlichen Retro-Sounds und zeitgenössischer elektronischer Tanzmusik gelingt Niemerski locker, dabei hat sich »Glow« zu einem Album entwickelt, das auf die großen Bühnen schielt. »In die Clubecke bin ich zufällig reingerutscht, eigentlich wollte ich moderne, zeitlose Popmusik produzieren«, führt er aus. »Deswegen spielen Songstrukturen bei mir auch immer eine Rolle. Ich mag keine reinen Loops, die einfach so vor sich hin brettern.« Und so findet sich auf dem Album mit »58 bpm« auch eine Ballade, die im titelspendenden Schritttempo von 58 bpm dahergeschlichen kommt.

 

Mit Jamie Lidell hat sich Tensnake den perfekten Crooner ins Boot geholt. Das Resultat der Zusammenarbeit trägt den Titel »Feel Of Love« und ist eine Verneigung vor Prince. Der Kontakt zu Lidell kam über Niemerskis Kumpel Stuart Price zustande, der das Stück auch ko-produzierte. Der organische Track kommt ohne Samples aus, worauf Tensnake sehr stolz ist, nicht zuletzt, da er sich im Vorfeld die Passagen mit Klavierunterricht draufgeschafft hatte. Der Song selbst war relativ schnell fertig, was aber noch fehlte, war der Gesang: »Stuart schlug zunächst Brandon Flowers von den Killers vor, aber das war mir eine Spur zu krass. Jamie Lidell hat das Ding genau auf den Punkt gebracht. Er ist der Prince seiner Generation.«

 

Mit dem zweiten Anlauf von »Glow« ist Niemerski übrigens sehr zufrieden. Es sei das genaue Gegenteil dessen geworden, was alle nach »Coma Cat« von ihm erwarten hatten, bringt er das Album lächelnd auf den Punkt.

 

Tensnake »Glow« (Virgin / Universal / VÖ 07.03.14)