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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Dance Mother

Telepathe

Es gibt sie noch, die echten Freaks unter all den vermeintlichen. In diesem Fall zwei Brooklyner Mädels. Busy Gangnes und Melissa Livaudais.
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Es gibt sie noch, die echten Freaks unter all den vermeintlichen. In diesem Fall zwei Brooklyner Mädels. Busy Gangnes: Strickjäckchen, halblange Grundschul-Streberinnenfrisur. Gleich daneben Melissa Livaudais: blasse Haut, schwarze Brille mit Gläsern wie Kuchenteller.

Diese beiden, die in der Highschool bestimmt nicht zur rosa Cheerleader-Party-Clique gehörten, schleudern den viel zu coolen New Yorkern nun ein "Dance Mother" (das "Fucker" erlag wegen US-Kompatibilität der Selbstzensur) entgegen und programmieren die Musik der nahen Zukunft. Auf Gegenseitigkeit beruhendes Fantum bescherte ihnen als Produzenten den TV-On-The-Radio-Kopf David Sitek, mit dem sie - fragt man nach Geschwisterklängen - musikalisch in einer Abstammungslinie liegen. Als Gastsänger dabei sind Shannon Funchess von !!! und Kyp Malone auch von TV On The Radio. Genreübergreifendes Inspiration-Ausleben, das nicht nur geil poppig ist, sondern auch noch den Faktor Spannung bedient. Eine postmoderne Mischung aus Software- und Vintage-Instrumenten. Verdammt fett unterlegt mit einem HipHop-Sub-Bass, der bei einer schön prolligen Autoanlage den Bürgersteig ehrfurchtsvoll erbeben lässt. Highlights auf dieser Frickelplatte ohne Gefrickel sind das monoton-monumentale "Devil Trident" oder "Chromes On It", das permanent zwischen süß-naiv und streetwise-frech schwenkt. Der Rest ist auch super!



Seht ihr euch in einer Tradition bestimmter Bands?
M: Ich finde, wir haben nicht besonders viel mit anderen Bands gemeinsam. Eher mit DJs und Musikproduzenten, die Musik zusammenmischen. Genau so etwas machen wir eigentlich auch. Wir sind keine Band, die jammt. Wir setzen uns hin und denken uns etwas aus. Wir sind wie Produzenten, die so tun, als seien sie eine Band. Wir lernen erst jetzt, wie man eine Band ist.

Ihr kommt aus Brooklyn. Bekommt ihr etwas von den ganzen Bands und dem Hype mit?
M: Überall - nur nicht in Brooklyn. Es gibt dort so viele Bands, die ich gar nicht kenne. Und dabei ist es nicht so, als würde es mich nicht interessieren, es ist einfach komplett überwältigend. Als wir in London waren, wurden wir gefragt, ob wir die Band auf dem Cover vom NME kennen würden. Die kamen aus Brooklyn, und ich hatte noch nie von denen gehört. Das ist irgendwie bizarr. Die spannendste Band, die wir dort kennen, ist übrigens Salom.

Es gibt immer noch viel mehr männliche Musiker als weibliche, die dann oft auch unterschätzt und nur als Sängerinnen wahrgenommen werden. Ist das eine Erfahrung, die ihr gemacht habt?
B: Oh ja! Und das ist wirklich komisch, denn wir haben eigentlich nur angefangen zu singen, weil wir uns keine Sänger leisten konnten. Immer, wenn wir jemanden fragten, ob er über unsere Musik singen könne, hat es nicht funktioniert. Entweder, weil wir kein Geld hatten, oder weil wir solche Kontrollfreaks sind. Wir sehen uns eher als Instrumentalistinnen und Komponistinnen statt als Popsängerinnen.
M: Nur weil wir mit Dave Sitek gearbeitet haben, denken alle, er hätte die Musik gemacht. Aber mit einem Produzenten zu arbeiten bedeutet nicht, dass er die Songs schreibt. Nur, weil wir Frauen sind, denken das alle. Bei anderen Bands ist das doch auch nicht der erste Gedanke. Niemand nimmt an, dass Tom Ford alle Songs für die Klaxons geschrieben hat, oder?!

Telepathe "Dance Mother" (V2 / Coop / Universal)