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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Man-Made

Teenage Fanclub

Ich bin steinalt, rückwärts gewandt, aufgeschwemmt und habe Haarausfall. (Warum in drei Teufels Namen schreibe ich nicht für eines dieser Rockrentner-Magazine?) Die Tage, mein Freund, sie sind gezählt. Und wollen sinnvoll genutzt werden. Alle Zeichen stehen also auf Kanonbildung, die in meinem Fall
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Ich bin steinalt, rückwärts gewandt, aufgeschwemmt und habe Haarausfall. (Warum in drei Teufels Namen schreibe ich nicht für eines dieser Rockrentner-Magazine?) Die Tage, mein Freund, sie sind gezählt. Und wollen sinnvoll genutzt werden. Alle Zeichen stehen also auf Kanonbildung, die in meinem Fall so gut wie abgeschlossen ist. Wie ein altersmilder Kurienkardinal meiner eigenen kleinen Plattenkongregation lasse ich zwar noch Neuerungen zu, aber nur weniges darf noch hinein in die Herzenskammer. Es wird allmählich eng. Zu den Grundpfeilern meines diesseits orientierten Glaubenssystems gehören seit jeher diese hoffnungslos romantischen Scot-Slacker – nein, das ist nicht wahr, genau genommen erst seit “Bandwagonesque”, jener wundervollen, hymnischen, schweinerockigen und himmelstürmenden Wucht- und Wundertüte von 1991. Und danach gab es keine Enttäuschungen mehr. Okay, “Thirteen” war vielleicht überambitioniert und die Songs nicht ganz so groß, aber die Nachfolger “Grand Prix” und “Songs From Northern Britain” machten die Gemeinde selig. Nun also nach fünf Jahren wieder ein Studioalbum, das erste auf dem bandeigenen Label. Angenehm non-postrockistisch produziert von John McEntire. Und noch immer gilt §1 des ewig gültigen Clubberer-Katechismus, demzufolge alles daran zu setzen sei, den allerbesten BeachBoysByrds-Song ever zu schreiben. Wer bin ich, zu beurteilen, ob das mit dem vorliegenden Werk endlich gelungen ist? Es ist auch herzlich wurscht. Auf jeden Fall ist wieder ein Dutzend tofter Fanclub-Songs herausgekommen, das sich anhört wie ein Best-of aus allen Phasen der nicht immer glücklich verlaufenen Bandgeschichte. Von manchen, auch von weniger talentierten Ex-Labelmates wurden sie links und rechts überholt, was öffentliche Wahrnehmung und kommerziellen Erfolg angeht. Umso schöner, dass sie noch da sind und Platten machen. Wie fast immer sind auch auf dieser hier die Midtempo-Stücke King: Die von Geigen getragenen “Save” und “Flowing”, das gemächlich pluckernde “Only With You” sind kostbare Slowburner, während “Born Under A Good Sign” und “Slow Fade” direktemang zur Sache kommen und alle Zweifel einfach wegrocken. Hier kommt Liebe aus den Verstärkern. Also öffnet verdammt noch mal eure Herzen.