×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

»Reputation«

Taylor Swift

Von wegen Image-Krise! Auf dem cleveren »Reputation« ist Taylor Swift ihren Hatern mal wieder um eine Nasenlänge voraus.
Geschrieben am
Die Zweifler und Kritiker wetzten in den letzten Wochen bereits erwartungsvoll die Klingen: Folgt nach dem Höhenflug von »1989« mit dem vermeintlichen Rache-Album »Reputation« jetzt die Bruchlandung eines der größten Popstars unserer Zeit? Die überraschend basslastige Single »Look What You Made Me Do« samt Hochglanz-Video läutete das fulminante Comeback der Amerikanerin ein und brach erneut sämtliche Streaming-Rekorde, das erhoffte Kritikerlob nach der längsten Sendepause in Taylor Swifts Karriere blieb aber aus. Zu viel Kalkül, zu viel Kanye, und was hatte sich die Sängerin nur bei ihrem neuen, galligen Sound-Kostüm gedacht? Doch der satte Electro-Clash war erst der Vorgeschmack.

Auf dem von Max Martin und Jack Antonoff produzierten »Reputation« entfernt sich die Songwriterin noch weiter von ihren musikalischen Ursprüngen: Düsterer Electro-Bombast durchzieht den EDM-lastigen Opener »...Ready For It?«, in dem sich Swift von ihrer angriffslustigen Seite zeigt. Anders als der Name suggeriert, handelt der Song aber nicht von alten Erzfeinden, sondern von ihrer neuen Beziehung mit dem britischen Schauspieler Joe Alwyn (dessen blaue Augen sich leitmotivisch durch das ganze Album ziehen). Ein Trick, den Swift auf »Reputation« häufiger anwendet, das – Überraschung - wider Erwarten über weite Strecken eben keine öde Abrechnung mit all den Hatern, sondern eine erfrischend lässige Liebeserklärung an ihren aktuellen Beau geworden ist. »I swear I don’t love the drama – it loves me«, lautet eine augenzwinkernde Zeile aus »End Game«, einem flotten R’n’B-Dreier mit dem Rapper Future und Ed Sheeran, von dem du niemals wusstest, dass du ihn wolltest.

Auf den 15 Songs ihres sechsten Studioalbums versucht die Popsängerin erst gar nicht, ihr porentief reines Image wiederherzustellen, mit dem sie einst als braves Country-Girl-Next-Door von Nashville aus die Musikwelt eroberte. Sie präsentiert sich stattdessen als mehrdimensionaler Charakter mit Ecken und Kanten (wie die 15 Swift-Versionen am Ende des »LWYMMD«-Videos zeigen), der sich auch mal einen naughty Fehltritt erlaubt (»I Did Something Bad«). Auf »Reputation« flucht, rappt, begehrt und singt die 28-Jährige sogar zum ersten Mal explizit über Sex: »Only bought this dress so you could take it off«, croont sie in »Dress«. Verglichen mit anderen Acts ist das immer noch relativ jugendfrei, aber eben auch meilenweit von der High-School-Prosa von Swifts Frühwerk entfernt, als die Klatschpresse noch wild darüber spekulierte, ob die Amerikanerin überhaupt einen Bauchnabel besitzt. Nur die akustische Klavierballade »New Year’s Day« zum Schluss erinnert noch an ihre klassischen Singer/Songwriter-Wurzeln. Ganz so mausetot ist die alte Taylor also doch nicht.

Taylor Swift

reputation

Release: 10.11.2017

℗ 2017 Big Machine Label Group, LLC

Folgt uns auf

  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr