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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ladies & Gentleman

Taylor Savvy

“Let me introduce myself: My name is Taylor Savvy. I wanna be a good friend. You don’t know me yet. I think you will ...” Dieser Satz des in Berlin lebenden kanadischen Nachwuchs-Entertainers darf und soll durchaus als Drohung zu verstehen sein. Denn wer bereits eines seiner berüch
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“Let me introduce myself: My name is Taylor Savvy. I wanna be a good friend. You don’t know me yet. I think you will ...” Dieser Satz des in Berlin lebenden kanadischen Nachwuchs-Entertainers darf und soll durchaus als Drohung zu verstehen sein. Denn wer bereits eines seiner berüchtigten, als “infomercial style riot including live sets” bezeichneten Konzerte miterleben durfte, ahnte sicher schon, was auf dem Debüt-Album noch deutlicher wird: Talyor Savvy entpuppt sich als ultimative Nervensäge. Doch der vermeintliche Stylecrusher-Unsinn hat Methode. Aus schrägen Kalauern entfalten sich plötzlich catchy Hooklines. Besonders vermittelbar wird das bei folgendem Zitat: “My father and I share the same dream of still being in school ... but it’s a nightmare!” Der Aufbau der Songs folgt dabei einem Schema, könnte man “Slogan-Song-Format” nennen. Die Botschaft wird auf einen prägnanten Slogan reduziert, und dieser zementiert seinen Wiedererkennungswert durch großräumig angelegte Redundanz. Das Prinzip der großen Gesten, des Elefanten im Laden der feinen Zwischentöne. Was bei Andrew W.K. durch Szenarien von Härte und Ekstase umgesetzt wird, bekommt hier seine Dringlichkeit durch zitatreichen Pop als solchem. Hey, ein ganzes Album lang hält das beim ersten Hören mit Sicherheit niemand durch. Bei Titel #9 ist der vorläufige Höhepunkt erreicht. Wer nicht schon vorher aufgegeben hat, wird spätestens hier entnervt die Stoptaste betätigen. An dieser Stelle ist langer Atem gefragt, denn ich kann versprechen, dass sich gerade dieses sechsminütige Monster zum absoluten Killer-Track des Albums entwickeln wird: Ein Oldschool-Housebeat und eine monotone Sequencer-Line bilden die Basis für die immer hysterischer werdenden “Everybody Party”-Shouts. Eurobeat at its best. Und da geht noch mehr: “Jealousy”, die erste Single des Albums, ist ein abgehalfterter R&B-Bouncer mit extrem illem Rap-Part, und der Opener “Share The Dream” besitzt die geilsten Pianotabs seit Dres “California Love”. Taylor Savvys Definition von P-Funk funktioniert jenseits jeglicher Realness-Barrieren, was sich nicht nur an den gefakten Synthie-Scratches verdeutlicht. Dieser Mann ist sich einfach für nichts zu schade. Und das ist gut so.