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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Beautysleep

Tanya Donelly

Tanya Donelly ist Mama geworden. Und auf „Beautysleep“ kann jeder zuhören, wie das so ist. Gemessen an früheren Projekten (Throwing Muses, Breeders, Belly) und sogar an ihrem letzten Soloalbum „Lovesongs For Underdogs“, kommt die Dame mit der Quietschestimme nun wesentlich sp
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Tanya Donelly ist Mama geworden. Und auf „Beautysleep“ kann jeder zuhören, wie das so ist. Gemessen an früheren Projekten (Throwing Muses, Breeders, Belly) und sogar an ihrem letzten Soloalbum „Lovesongs For Underdogs“, kommt die Dame mit der Quietschestimme nun wesentlich sphärischer daher. Brachten Songs wie „Lantern“ noch amtliches Potential zum Rocken mit, konzentriert sich Frau Donelly heute titelkonform auf gehauchte Schlaflieder, was im Umgang mit der frischgemachten Tochter sicherlich hilfreich sein mag. Darüber blubbern zwischenzeitlich gar lustige Klangwälle. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass Gitarre und Schlagzeug gänzlich von der Babywiege verdrängt worden wären. Aber es ist halt insgesamt leiser, verzückter, zärtlicher geworden. Ob das gut ist? Nun, ich habe kein plärrendes Windelpaket zu Hause. Dennoch stimmt mich „Beautysleep“ versöhnlich und zuversichtlich, weil es irgendwie einlullt, den sprichwörtlichen Schnuller parat hält, damit man nicht laut losquengelt. Verflogen ist die Postpunk-Aura, alles klingt glatter und aufgeräumter. Dies ist nicht das Werk einer Frau, die sich resigniert auf ein vermeintliches Altenteil der Popmusik zurückzieht und halbherzig ihr Privatleben besingt; „Beautysleep“ verkörpert auf eine erstaunliche, befremdliche Art das Leben, das ich mit 36 gern führen würde. Vielleicht etwas unspektakulär, aber durchaus souverän und zielstrebig – und vor allem zufrieden. Tanya Donelly zieht – ähnlich wie Suzanne Vega – das Ding durch, das sie momentan am besten kann, mit dem sie sich identifiziert. Und so betrachtet ist das Singer/Songwritertum die Nische, in der es sich am bequemsten liegen lässt. Und hier liegt sie gut. Und obwohl mich in schlechten Momenten nichts mehr nerven würde als ebendieses Album, weiß ich doch, dass es mich an guten Tagen wunderbar ins Traumland begleiten kann.