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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Neues vom Trickser

Tame Impala im Gespräch

Kevin Parker hat die Schnauze voll. Genug mit der friedfertigen Hippie-Musik! Laute Töne müssen her! Das erzählt er jedenfalls über Tame Impalas neues Album »Currents«, das im Juli veröffentlicht wird. Im Interview mit Julia Maehner erklärt der Frontmann seine Katerstimmung, warum er seine Fans gerne austrickst und warum es ihm egal ist, ob sie seine Musik kaufen oder nicht.
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Fun Fact: Kevin Parker, geistiger Vater und Frontmann der australischen Band Tame Impala, schläft am liebsten zum Geräusch einer klappernden Tastatur ein. Wenn er jetzt also neben mir säße, wäre der Gute vermutlich längst im Land der Träume. Leider Gottes befindet er sich aber nicht neben mir, sondern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, irgendwo zwischen Minneapolis und New York. Diese fünf Wochen in den Vereinigten Staaten sind der erste Abschnitt einer Mammut-Tour. Dauer unbekannt. »Ich weiß gar nicht, wie lange wir unterwegs sein werden. Das kommt darauf an, wie gut die neue Platte ankommt. Beim letzten Mal waren es zweieinhalb Jahre«, erzählt Parker am Telefon. 

Die neue Platte heißt »Currents« und erscheint Mitte Juli. Die ersten Songs davon geistern seit Anfang des Jahres durchs Netz, vier der insgesamt dreizehn Tracks sind bereits veröffentlicht worden. Kritiker und Fans machen sich jetzt schon vor Aufregung die Höschen nass. Parker scheint sich dessen nicht bewusst zu sein. Kein Wunder, er ist schließlich viel zu sehr mit seinem Kater beschäftigt: »Ich bin gerade in der Phase des Post-Album-Comedowns. Es fühlt sich ein bisschen wie ein Kater an«, erklärt er. »Wie eine absolute musikalische und kreative Erschöpfung.
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Wenn ich ein Album fertiggestellt habe, fühle ich mich wie ein leerer Sack. In mir ist dann keine Unze an Ideen mehr. Ich habe alles gegeben, jede Emotion, die ich geben konnte und wollte. Liebe und Hass. Alles.
Von diesen Emotionen stecken viele im neuen Album. Es ist eine aufregende Platte. Vor allem für eine wie mich, die von Papas Schallplatten der 70er-Jahre geprägt worden ist, dann aber im Studium die elektronische Musik Berlins kennen und lieben gelernt hat. Es ist auch eine aufregende Platte für Kevin Parker. Nach den ersten internationalen Erfolgen und dem oft als schwierig bezeichneten zweiten Album kann sich Parker endlich austoben. Er ist eben nicht mehr der naive junge Mann, der vor sieben Jahren zum ersten Mal sein Heimatland verlassen hat.
Wie hat sich dein Bezug zur Musik entwickelt, seitdem du mit Tame Impala erfolgreich bist? 
Meine Wahrnehmung hat sich verändert, aber Musik hat nach wie vor denselben Wert für mich. Vor langer Zeit dachte ich, es gibt bestimmte Regeln und Grenzen in der Musik. Ich habe geglaubt, dass Produzenten von Dance- Musik ein bestimmter Typ Mensch sind und Rock-Musiker eben ein anderer. Aber jetzt weiß ich: Es ist nicht alles nur schwarz und weiß.

Also hast du Menschen auf ihrem Musikgeschmack basierend in Schubladen gesteckt?
Ich schätze ja. Aber ich habe mich selbst genauso kategorisiert wie die anderen. Als ich dann mehr über Musik und die Musikindustrie gelernt habe, begann ich mich selbst in Frage zu stellen. Mir wurde schließlich klar: Diese Grenzen gibt es überhaupt nicht. Deswegen bin ich jetzt viel offener und von der Welt der Musik mehr inspiriert.  

Stimmt es, dass du deine Hörer gerne verwirrst, indem du den Klang deiner Instrumente so manipulierst, dass man sie gar nicht mehr erkennt? Gehört das für dich zu diesem Prozess, offener zu sein?
 
Auf jeden Fall. Ich hab das schon immer gerne gemacht - eine Gitarre wie einen Synthesizer klingen zu lassen, sodass die Leute gar nicht wissen, was für ein Instrument sie da gerade hören. Das ist irgendwie mein Ding. Ich versuche, die Menschen auszutricksen. Zum Beispiel werden Gitarren und Synthesizer oft als zwei grundverschiedene Dinge dargestellt. Für mich sind sich die Instrumente immer sehr ähnlich gewesen. Sie haben nur eine unterschiedliche Beschaffenheit. Deswegen lasse ich unsere Fans gerne in dem Glauben, dass sie einen Synthesizer hören. Wenn sie dann herausfinden, dass es eine Gitarre ist, erscheint die Musik in einem ganz anderen Licht. Genau das ist mein Punkt: Es bringt nichts, von einer Sache voreingenommen zu sein.   

Auch an »Currents« sollte man am besten unvoreingenommen rangehen. Erwartet man gewohnt entspannte Songs, die – salopp gesagt – an bewusstseinserweiternde Drogen und stundenlange Jams denken lassen, könnte man enttäuscht werden. Nachdem ich das Album das erste Mal gehört habe, beschrieb ich es einer Freundin folgendermaßen: »Es klingt wie eine Mischung aus den frühen Genesis, Tears For Fears und Axel Foley.« Auf dem Papier klingt das furchtbar, aber auf der Platte furchtbar gut. Auf »Currents« gibt es Synthesizer-Klänge, die an amerikanische Cop-TV-Serien der 80er-Jahre erinnern und verzerrte Sprechgesänge wie die von Kraftwerk. Trotzdem erkennt man in den Skripts der Popsongs noch unverkennbar die Psychedelic-Rock-Handschrift Kevin Parkers. 
»Currents« ist viel elektronischer geworden als deine letzten Platten. Warum hast du dich entschieden, diesen Weg einzuschlagen? 
Das war eine natürliche Entwicklung. Ich würde aber nicht sagen, dass das Album elektronischer ist als meine letzte Platte. Ich habe exakt dieselben Instrumente und dasselbe Programm – es heißt Ableton Live – verwendet, mich aber für eine andere Herangehensweise entschlossen: Ich wollte die Songs cleaner machen. Anstelle all dieser verwobenen Sounds wollte ich etwas kreieren, das man richtig laut aufdrehen kann.« 

Ich habe Tame Impala noch nie laut in einem Club oder einer Bar gehört. Wir waren immer eine Band, die man sich mit Kopfhörern zum Entspannen anhört. Jetzt wollte ich endlich mal Musik machen, die man auf hundert Dezibel hochdrehen kann.
Wolltest du tanzbare Musik machen? 
Nicht absichtlich, nein. Ich wollte den Teil in mir zufrieden stellen, der diese Art Musik mag. Songs, die du beim Autofahren richtig laut aufdrehst oder die ein DJ zwischen einem Dance- oder HipHop-Track einspielt. Ganz ehrlich: Ich wollte Songs schreiben, die ein HipHop-Produzent sampeln würde. Falls das mit einem der neuen Songs passieren sollte, bin ich glücklich. 

Wäre es für dich eine Option, einmal ein ganzes HipHop-Album zu produzieren? 
Wenn mich jemand fragen würde, klar. Tatsächlich habe ich angefangen, mit der Band Koi Child aus Perth zusammenzuarbeiten. Sie spielen eine Mischung aus Freestyle-Rap und Free Jazz. Wir haben gerade erst damit angefangen, gemeinsam Musik aufzunehmen, was sehr viel Spaß macht und unglaublich interessant ist. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich mein erstes HipHop-Album schon selbst produzieren könnte. Ich glaube, ich muss noch mehr lernen. Ich hab’s aber definitiv vor!

Bevor er sich um andere Projekte kümmert, wird Parker das Jahr 2015 noch ganz und gar Tame Impala widmen. Für die diesjährige Tour werden immer mehr Daten bekannt gegeben und »Currents« muss ja auch noch veröffentlicht werden. Wobei es fast so klingt, als ob es ihm egal ist, wie die Menschen seine Musik konsumieren. Um einen Album-Leak wie im Fall von Björks neuer Platte »Vulnicura« macht er sich jedenfalls keine Sorgen. »Ich persönlich finde es interessant, dass es heute so einfach ist, Musik gratis zu konsumieren«, erklärt er. »Aber alle, die daran gewöhnt sind, mit Musik Geld zu verdienen, gehen jetzt voll ab und denken sich: ›Scheiße! Wenn die Menschen so einfach an die Musik rankommen können, was machen wir dann?‹ Dieses große ›Was sollen wir bloß tun?‹ finde ich besonders interessant. Ich weiß, dass ich mein Geld hauptsächlich mit Lizenzen mache. Das hat mit verkauften Platten gar nichts zu tun. Und dann gibt’s natürlich Live-Musik. In einer Welt, in der es eine physische Form von Musik kaum mehr gibt, werden Konzerte immer wertvoller. Ist doch super, dass ein Live-Erlebnis so zu einer aufregenderen und außergewöhnlicheren Sache wird.« 

Der Wert des Moments, an dem du mit deiner Lieblingsband in einem Raum bist, kann nicht digitalisiert werden. Das ist ziemlich cool.

Und jetzt aufgepasst: Tame Impala spielen am 1. September eine exklusive »Lolla Warm Up«-Sohw im Kesselhaus in Berlin. Eintrittskarten für das Konzert gibt es nicht im Handel, sondern ausschließlich zu gewinnen. Ihr habt Glück: Zusammen mit Warsteiner verlosen wir 2x2 Tickets für den Abend. Macht hier direkt mit.
Teilnahme ab 18 Jahre. Einsendeschluss ist der 27.08.2015. Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Tame Impala

Currents

Release: 17.07.2015

℗ 2015 Modular Recordings, under exclusive license to Universal Music Australia Pty Limited