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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Heimat«

T.Raumschmiere

Geisterhafte Repetition an der Schwelle von Ballungsraum und Rückzugsort – »Heimat« ist eine Frage der Herkunft.
Geschrieben am
Schon seinen Anfang nahm das nach einer Kurzgeschichte von William S. Burroughs (»The Dream Cops«) benannte Projekt von Marco Haas bei Kompakt. Anno 2000 befand sich T.Raumschmiere mit den EPs »Bolzplatz« und »Musick« neben Lokalgrößen des Loveparade-Dunstkreises wie Elektrochemie LK oder Zombie Nation in guter Gesellschaft – Dreck-Electro wurde das damals genannt. Die schmutzige Punk-Attitüde ist über die Jahre verwest, und eine Loveparade gibt es auch nicht mehr. Nach sieben Alben und zwei Dutzend EPs ist Haas trotzdem wieder dort angekommen, wo er vor der Gründung seines eigenen Labels Shitkatapult begann. »Heimat« klingt für seine Verhältnisse rund, geradezu sinusförmig in Texturen und Harmonieführung, birgt aber auch Reminiszenzen an das Knarzen längst verhallter Tage. Wo einst Sägezahn-Sequencer Melodien ins Hirn frästen, sind Höhen und Bässe nun in matt schimmernde Flächen eingebettet, aus denen einzelne Spuren eher zaghaft hervorlugen. Ein Rezept, das dann hervorragend funktioniert, wenn die Tonalität bedrohlich und ominös entgleitet (»Juli«), jedoch beliebig wirkt, sobald schwelgerisch gute Laune Überhand nimmt (»Stoli«). Ohnehin wäre es der Atmosphäre des Albums zuträglich gewesen, den Fokus auf das Obskure, Abseitige, Grimmige (»Le Fux«) zu legen, statt der Stimmung Schwankungen ins Optimistische zu erlauben, die nur selten gelungen ausformuliert werden (»Wacker«). Potenzial für eine konzentrierte Reise ins Innere ist hier zwar präsent, es reicht aber nicht, um gänzlich darin verloren zu gehen.

T. Raumschmiere

Heimat

Release: 19.05.2017

℗ 2017 Kompakt