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Wieder mal Heimaturlaub

Sziget 2016

Am Mittwoch ist das Sziget Festival mit einer offiziellen Aftershowparty in Budapest offiziell zu Ende gegangen. Wir haben in diesem Jahr dazu ein kleines Experiment gestartet: Für unser Partnermagazin Festivalguide schickten wir einen Newbie, für Intro unsere Autorin Sziget-Veteranin und Budapest-Bewohnerin Lisa Erzsa Weil. Sie sagt: Zum Sziget zurückzukommen ist, wie wenn man einmal im Jahr ins Heimatstädtchen einkehrt. Irgendwie ist alles gleich, und doch wurde hier etwas umgebaut, dort etwas neu gestrichen, ein paar Bewohner sind für immer aus- und neue eingezogen.

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Der 10. bis 17. August sind schon lange im Kalender markiert, denn es ist wieder Sziget. Gefühlt wehen schon Tage zuvor bunte Konfettis durch Budapests Straßen, latenter Bierduschen-Duft liegt in der Luft, und auf der Hose bilden sich bereits erste Grasabdrücke.

Und wenn es dann so weit ist und man das erste Mal seit einem Jahr durch die Eingangstür der Óbudai Insel, die mit unzähligen Fahnen geschmückte, weiß-rostrot-gefleckte Stahlbetonbrücke, schlendert, ist man endlich wieder ein bisschen zu Hause.


Tatsächlich begrüßt das Sziget Festival jedes Jahr viele Rückkehrer. Die meisten von ihnen sind Deutsche, Holländer, Briten und Franzosen, doch auch viele Ungarn reservieren sich zumindest einen Wochenendtag, um »mal rauszuschauen«. Und auch das Line-up ist mitunter schon warm mit der Donauinsel: Electropop-Mädchen Mø ist 2016 zum zweiten Mal in Folge auf dem Festival geladen – und zwar wieder an ihrem Geburtstag, dem 13. August. Gleich zwei Geburtstagstorten bekommt die Dänin dafür von Fans und Sziget-Veranstaltern und ist hellauf begeistert: »Echt gut, ich glaube, das wird ab jetzt zur Tradition!«

Aber auch Neuankömmlinge sind im Hause Sziget überaus willkommen: So haben dieses Jahr Sigur Rós ihr Budapest- und Sziget-Debüt. Zugegeben, so im Post-Staub-Dunst der Holi-Party stehend kann man noch nicht ganz glauben, wer da gleich auf die Hauptbühne tritt, zumal die Nordbudapester Augustsonne um 19 Uhr auch noch ganz schön präsent ist. Obendrein grölen ein paar holländische Jungs zur Linken, während zur Rechten die Italien-Flagge gehisst wird. Und trotzdem: Es funktioniert. Die Isländer sind keine Fremdkörper auf der »Island of Freedom«. Willkommen!

Weniger erfolgreich ist die Einbürgerung von Rihanna. Trotz einer saftigen Gage von 1 Mio. US-Dollar, die durch die ungarischen Medien ging, bequemt sich Riri mit einer halben Stunde Verspätung auf die Bühne. Das bezeichnet selbst Sziget-Organisator der ersten Stunde, Károly Gerendai, als »nervig«. Die einstündige Bühnenshow ist dann im Gros durchgeplaybackt. Kein gutes Gastgeschenk.

Stellenweise kleidet sich das Sziget jedes Jahr neu: 2016 ist das nicht nur an den weiterhin wachsenden Besucherzahlen (fast eine halbe Million) zu merken, sondern auch an einem jungen Familienmitglied: der Europe Stage. Die Bühne steht zwar bereits seit 2014, doch so viele europäische Newcomer-Bands wie in diesem Jahr haben dort bislang nicht gespielt. Aus Deutschland sind unter anderem Isolation Berlin und Die Nerven geladen – diese Portion Edgyness tut dem Festival mit Headlinern wie David Guetta und Bastille vielleicht ganz gut.

Auch wenn man das Sziget nicht mit Selbstgekochtem in Tuppern und alten Kinderfotos für die Freunde in der neuen Heimat verlässt, heimelig-nostalgisch wird Wiederkehrern hier trotzdem. Und obwohl es schöner wäre, wäre das Sziget Holi-Staubspuren- und Selfie-Sticks-frei hätte: Wir zwei sind noch immer ganz dicke.

Den Nachbericht des Sziget-Newbies Daniel Koch findet ihr hier auf festivalguide.de