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Das Wochenende: Viel los, zum Finale

SXSW 2013 – Reisetagebuch

Intro war beim SXSW-Festival in Austin unterwegs. Das Wochenende brachte noch einmal volles Programm.
Geschrieben am
Freitag, 15. März 2012
 
13:12 Uhr – Wie erwartet sind Savages das absolute Gegenteil ihrer ernsthaften Bühneninszenierung, sondern sehr nett und extrem am Austausch über ihre Musik interessiert. Den vier Musikern gefällt während unseres Gesprächs vor allem, dass ich Metal und Hardcore in ihrem Sound als wesentlich empfinde. Iron Maiden und Minor Threat sorgen für leuchtende Augen.
 
14:58 Uhr – Kurzer Besuch bei den Kollegen von Stereogum. Der Showcase im Hype Hotel will aber nicht so recht Stimmung aufkommen lassen. Fühlt sich an wie einst die Disco in der Uni Mensa, dann lieber wieder raus in die Sonne.

16:08 Uhr – Im Fader Fort spielen Kat Dahlia, Ra Ra Riot und The Bots. Keine der drei Bands schafft es, mich für sich einzunehmen. Disclosure hingegen schon, die beiden Engländer bringen das Zelt von der ersten Sekunde an zum Köcheln. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, der ist schon tot.
 
18:47 Uhr – Intro-Abendessen im Boiling Pot, dem legendären Austiner Sea-Food-Restaurant. Endlich ist die Reisegruppe mal für ein paar Minuten versammelt, um Austern, Kartoffeln, Würstle, Shrimps und Hummer mit Holzhämmern zu zerlegen und mit den Händen in sich reinzuschieben. Unglaublich lecker. Am Nebentisch schaut DJ und Produzent Drop The Lime etwas traurig drein angesichts der deutschen Tischmanieren.
 
20:04 Uhr – Kaum die letzte Auster geschlürft, rennen wir zum Fader Fort, wo die Afghan Whigs den Tag abschließen. Wie es sich gehört nicht alleine, sondern mit den Stargästen Ahmed Gallab(Sinkane) und Usher. Letzterer reißt die Show schnell an sich und hat das Fort ganz an seinen Lippen hängen. Tja, Greg Dulli, das hättest du auch gerne, aber da fehlt dann doch einiges – und das sage ich als riesengroßer Afghan-Whigs-Fan.
 
22:32 – Im Empire Automotive treten die vieldiskutierten Haerts auf. Die Sängerin, die Gerüchten zufolge deutsche Wurzeln hat – was in Texas, wo jeder zweite Baumgärtner oder so heißt, ja nichts bedeuten will - und ihre Band sehen sehr uncool aus. Also so uncool, dass es die schönen, an Fleetwood Mac erinnernden Songs nicht leicht haben dagegen anzukommen. Man hasst sich ja dafür, so oberflächlich zu sein, aber was will man machen.
 


00:00 Uhr – Das erste Konzert war schon so gut, das Interview so nett, da muss ich einfach noch eine Show von den Savages sehen – zumal sie nachts bestimmt noch energischer auftreten. Und in der Tat spielen sie sich im Club de Ville vor den Augen von Beggars-Banquet-Chef Martin Mills in einen Rausch aus Metal und Post-Punk. Blitzkrieg-Punk.
 
0:53 Uhr – Man kommt ja in Austin nicht viel zum Tanzen. Auf der Party des amerikanischen Elektronik-Magazins XLR8R kriegen Ghosts On Tape und Bicep aber alle. Das Barcelona, ein kleiner Keller-Club auf der Sixth Street, mutet wie eine Sauna an.
 


Samstag, 16. März 2012
 
13:00 Uhr – Nachdem so viele von den Haerts sprechen, gebe ich ihnen noch eine Chance. Allerdings ist der Eindruck im Club de Ville der gleiche wie am Vorabend: Schöne Songs, ein Gesang, der an Stevie Nicks erinnert, was auch immer gut ist, aber leider eine Band, die sehr weit von cool und faszinierend entfernt ist.
 
14:57 Uhr – BBQ-Time. 50 Meilen außerhalb Austins kann man das andere Texas erleben. Der Horizont ist endlos, die Männer tragen Cowboystiefel und große Gürtelschnallen, und das BBQ ist eine richtige Sauerei. Wir essen im Black’s Barbecue in Lockhart. Danach ist Siesta angesagt.

15:47 Uhr - Oder dann doch nicht, sondern der Pop-Montreal-Showcase im Library, bei dem Sinkane spielen.
 
17:15 Uhr – Das kürzlich erschienene Album von Inc. mochte ich ja sehr. Eines der wenigen Beispiele zuletzt für einfühlsame, RnB-beeinflusste Elektronik, die noch nicht im endlosen Strom der Adepten mit untergeht. Live kommt die Band aber sehr überstylt und unsympathisch rüber. Früher hat man auf dem Schulhof Orangen nach solchen Posern geworfen.
 
18:00 Uhr – Mit Earl Sweatshirt werden wie immer im Fader Fort gen Abend die Weichen auf HipHop gestellt. Genauso toll wie auf Platte, aber nach ein paar Songs dann doch wieder der HipHop-Klassiker: Ohne Hits verliert man schnell das Interesse.
 
19:02 Uhr – Die Spanier Dolorean lassen es danach so elegant fließen, wie man das von ihnen kennt. Beste spanische Band derzeit!
 
19:45 Uhr – Den Abschluss des diesjährigen Fader Forts darf French Montana übernehmen. Wie es sich gehört allerdings mit vehementer Starunterstützung, so entern erst Macklemore und Ryan Lewis die Bühne für ein Stück, bevor mit P. Diddy wieder mal alle Handys in die Luft gehen. Kann den keiner mehr einfach zuschauen, müssen alle immer dokumentieren?
 
22:00 Uhr – Und noch mal Survive schauen. Das muss einfach sein. Zwar ist das Elysium weit davon entfernt, ein guter Auftrittsort zu sein, wir hatten das bereits, der geschlossene Raum steht der Austiner Band vom Sound her aber trotzdem deutlich besser als der Backyard-Acker von vor zwei Nächten. Eine Welle von Giallo-Kitzel spült durch meine Venen.
 
23:11 Uhr – Das sind also Haim, die drei Schwestern aus Los Angeles, um die alle derzeit so einen Wind machen. Nun ja, das sollte sich schon ausgehen mit der Karriere, aber irgendwie dann doch eher als Indie-Variante der Dixies Chicks und nicht als die coole neue Mischung aus Bangles und Fleetwood Mac, die sie gerne wären – oder die ich gerne in ihnen gefunden hätte.  Este, Danielle und Alana Haim, drücken ein bisschen zu sehr auf die Rockerinnen-Tasten für meinen Geschmack, von den seltsamen Posen, die sie auf der Bühne machen mal ganz abgesehen. Das Publikum im Stubbs reagiert dementsprechend reserviert, wobei man zum Schutz sagen muss, dass eh alle wegen Vampire Weekend da sind, die im Anschluss spielen.
 
00:00 Uhr – Der siebzehnjährige Marcel Everett hat sich den denkbar blödesten Namen rausgesucht für sein Kinderzimmer-Elektronik-Projekt. Als XXYYXX zeigt er jedoch eindringlich - auch an diesem Abend im Mohawk Outdoor - dass emotional aufgeladener Hauchgesang und melodramatische Sounds trotz der Welle an zweit- und drittklassigen Leuten, die den Sound gerade ruinieren, noch funktionieren kann.
 


0:25 Uhr – LeiderLunice im Boiler Room  verpasst, der Unterstützung von Mykki Blanco bekommen hatte. Death Grips entschädigen danach aber aufs Markerschütternste. Industrial-Rap vom feinsten. Im Anschluss legen Baauer und RL Grime back-to-back auf. Immer schön, wenn Dubstep und Pop-Hits miteinander verschmelzen.
 
1:01 Uhr – Ah, das Hideout ist ein bestuhltes Theater. Zwar nicht das, was ich mir für das Konzert von Sun Araw normalerweise wünschen würde. Hier und jetzt kommt das gesetzte Ambiente zu seinem Ethno-Experimental-Dub-Konzert gut. Wobei das Aufstehen danach nicht leicht fällt.
 
1:34 Uhr – Auf dem Weg zurück zum Boiler Room noch kurz einen Blick ins Haven werfen, der guten alten Zeiten wegen.  Hi Tek hat zwar schon gespielt, aber Talib Kweli, der Anfang der Nullerjahre der große Hoffnungsträger für HipHop war und der es irgendwie vermasselt hat, ist noch auf der Bühne. Vielleicht nicht mehr ganz so frisch wie 2000, aber zuhören tut man ihm noch immer gerne.
 
1:58 Uhr – Kurz vor dem offiziellen Ende noch schnell wieder in den Boiler Room reingehüpft, wo Skream gerade das SXSW 2013 ausklingen lässt. Zumindest für mich. Viel gesehen, getrunken und geraucht, jetzt will ich nur noch schlafen.
 


Sonntag, 17. März 2012
 
12:01 Uhr – Das beginnt ja wieder gut. »Nein, Herr Venker, wir haben sie für keinen Flug auf dem Schirm.« Eine Stunde später lässt mich United Airlines dann aber doch an Bord.
 
14:57 Uhr – Losfliegen will die Maschine aber mal wieder nicht. Am Schnee wie in Köln liegt es sicherlich nicht, aber woran dann? Das wird knapp mit dem Anschluss in Chicago. Bitte nicht wieder....
 
19:05 Uhr –Geschafft. Und pünktlich soll es auch noch losgehen nach Frankfurt. Das wär’ aber wirklich zu schön.