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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Tag 4: Deutsches Mittagessen

SXSW 2013 – Reisetagebuch

Intro ist derzeit beim SXSW-Festival in Austin unterwegs. Am Donnerstag gibt's eine Stadtrundfahrt und Raekwon.
Geschrieben am
12:03 Uhr – Der »Wunderbar«-Lunch der Initiative Musik steht an. Das Berliner Kulturbüro zur Förderung subkultureller Export-Ambitionen hat unter anderem die Kölner Coma eingeflogen, um das Material ihres bald auf dem Kölner Label Kompakt erscheinenden Albums vorzustellen. Dazu wird urdeutsches Essen gereicht. Für die einen Bestechung, für die anderen das heimische Gespenst im Nacken.

12:44 Uhr - Der heutige Opening Act im Fader Fort geht mit Vorschusslorbeeren ins Rennen: Die Glasgower Band Chvrches. Der Andrang ist für den ersten Showcase des Tages immens – was die drei erfreut registrieren und mit einem sehr lebhaften, sympathischen Set aufgreifen. Sehr schön.



13:21 Uhr – Nun beginnt also der TV-Teil von SXSW. Ich treffe auf die aus Austin stammende Synthie-Drone-Band Survive. Die vier werden mir in den kommenden Stunden die Stadt zeigen.
 
13:45 Uhr – Wir fahren durch die East Side. Erste Anlaufstelle ist der Synthesizer-Laden, in dem einer aus der Band arbeitet.
 
14:12 Uhr – Begeistert werden mir die Vorzüge eines jeden Synthesizers im Laden erläutert.
 
15:20 Uhr– Wir sitzen in einem französischen Cafe auf der East 11th Street und diskutieren angeregt über den Unterschied zwischen Ambient, Drone, Psychedelic und Noise. Am Nebentisch sitzen eine Katze und ein Schwein. Nein, wir haben nichts getrunken. Wirklich wahr!
 
16:58 Uhr – Die Fahrt geht weiter in die Suburbs von Austin. Das Bandhaus, in dessen Werkzeugschuppen Survive proben und in dessen Hinterhof sie heute Nacht spielen werden, liegt in der West 49th Street. So macht das Videodrehen Spaß, die tollen Bilder kommen automatisch im Vorbeifahren zu einem.
 
17:47 Uhr – Wir drehen letzte Videotakes für das Intro-Spezial im Backyard und im Bandschuppen.
 
19:04 Uhr – Die Party kann beginnen. Als erstes spielen Cloudland Canyons ein Industrial beeinflusstes Noise-Set. Wow, das kann man hier machen, ohne dass die Nachbarn angerannt kommen? Danach legt Part Time ein lustiges Set aus 80er Basslines und Hi-Hat-Techno auf. Sophie bremsen im Anschluss jedoch wieder kräftig ab: dunkler, mäandernder Instrumental-Noise. Silent Diane hingegen bereiten mit ihrer faszinierenden Mischung aus Italo-Disco, Minimal-Techno und Ambientflächen das Feld für Survive, die Hauptband des Abends. Danach ist alles ein ewiger Fluss des Lebens.
 
1:12 Uhr – In der Karma Lounge spielt mit dem ehemaligen Opel Bastards Mitglied Timo Kaukolampi ein alter Intro-Bekannter mit seiner neuen Band K-X-P. Vor zehn Jahren durfte ich Kaukolampi mal ein Wochenende durch Helsinki begleiten. Das war sehr toll damals. Mit K-X-P könnte er bald wieder mehr präsent sein: extrem rhythmische, Krach affine Bandelektronik.
 
1:29 Uhr – Auf dem Weg nach Hause noch kurz in der British Embassy vorbeigeschaut, wo Flume für schön trancige Ekstase sorgen.
 
1:45 Uhr – Den würdigen Abschluss der Nacht bietet mir allerdings Raekwon beim Breeding Ground Showcase. Just in dem Moment, wo ich reinkomme, widmet er Ol’ Dirty Bastard ein Stück. Dass nur rund 100 Leute anwesend sind, kommentiert er trocken mit »I love to rap for 30 people as much as for three million.«



Und zum Schluss noch die beliebten Melt!-Booking-Erinnerungen an den Donnerstag. Mit freundlicher Unterstützung von Alexander Kralisch:
 
»Die K.I.D.S. sind eine aus mindestens vier verschiedenen Epochen verpasster Gelegenheiten zusammengewürfelte Band. Im Zentrum ihres Auftritts im Maggie Maes steht die aus Stockholm stammende Sängerin - ihre Piepsstimme versucht jedoch vergeblich gegen die Stadiongitarren anzukommen. Die besten Momente kamen vom Backingtrack. Es ist spannend dabei zuzusehen, wie Amerikaner lernen, mit elektronischer Musik umzugehen. Im La Zona Rosa randalieren sie auf Ecstasy im Moshpit. Krewella liefern den Sountrack dazu. Wenn man darauf steht, sich von Pop-Musik den Kopf abschrauben zu lassen, sind St Lucia immer eine sichere Bank. Mit enormer Verspätung und miesem Sound tackert die Band um Jean-Philip Grobler im Hype Hotel einem eine Hook nach der anderen in die Herz-Gegend. Endlich wieder was richtig Gutes gesehen.“