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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

und weitere Filmstarts vom 21.02.08

Sweeney Todd

Der INTRO-Hauscineast Alexander Dahas hat sich vorab schon einmal u.a. 'Helden der Nacht' und 'Die Liebe in Zeiten der Cholera' angeschaut.
Geschrieben am
Sweeney Todd
R: Tim Burton; D: Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Timothy Spall etc.
'Sweeney Todd' ist nicht nur ein neuer Tim-Burton-Film und deshalb Pflichtprogramm für euch zart besaitete Nachtschattengewächse, sondern auch ein veritables Musical, freilich mit abseitiger Thematik. Es handelt von dem lebensfremden Barbier aus dem Titel, der in seinem Dasein nur noch ein Thema kennt: Rache. Die Hintergründe dazu kann sich jeder aus seiner eigenen viktorianischen Vergangenheit zusammenreimen, das Resultat ist jedenfalls erstaunlich blutig und eignet sich vorzüglich für ein Publikum, dem 'Sin City' irgendwie immer ein bisschen zu lasch war. Kein Witz. Im Verbund mit Johnny Depps überraschend hübschem Gesang ergibt sich daraus eine Atmosphäre, die dezidiert ungemütlich und ganz schön pessimistisch ist. Als Date-Movie also nur sehr bedingt zu empfehlen.

Die Liebe in Zeiten der Cholera
R: Mike Newell; D: Javier Bardem, Giovanna Mezzogiorno, Benjamin Brat etc.
Aber immer noch besser als der hier. Die Romanvorlage von Gabriel García-Márquez soll das Wahre in Sachen Borderlineromantik sein und einen direkt in die Zeit zurück versetzen, als man seiner Angebeteten versprochen hat, sie eines Tages zu heiraten, wenn sie durch ist mit all ihren Arschloch-Freunden. Schon der Klassen bessere 'Abbitte' hat mit der glaubwürdigen Rekreation der Vergangenheit Probleme, '...Cholera' ist oftmals nur noch kitschig. Ein fehlbesetzter Bardem (na warte: nächste Woche kommt 'No Country For Old Men') kann nicht vermitteln, was an emotionaler Getriebenheit vonnöten wäre, um dieses Kostümfest von Film wie ein dringendes Bedürfnis aussehen zu lassen. Die literarischen Ambitionen schrumpfen auf Westentaschenformat, wenn die Einsätze wirken wie die aus der Schwarzwaldklinik. Für eine akkurate Literaturverfilmung diese Woche bitte 'Away From Her' ausleihen.


Helden der Nacht
R: James Gray; D: Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Robert Duvall, Eva Mendes etc.
Kann mir mal wer erklären, was es immer mit diesen schweren moralischen Dilemmata auf sich hat, die offenbar vorwiegend New Yorker Cops mit Migrationshintergrund befallen? In 'We Own The Night' (OT) spielt Joaquin Phoenix einen lebenslustigen Discobesitzer, der eine ziemlich naive Vorstellung vom Berufsleben seiner Gäste hat. Erst als sein Bruder der Bulle von miesen Mafiosi zusammengeschossen wird, kriegt der Junior ein Gespür für die Zusammenhänge und geht seinerseits undercover. Natürlich auch, um den Respekt seines Vaters zu erlangen, gähn. Der Film ist wie üblich in der fulminanten Bildsprache der urbanen Gangsterballade gehalten, bietet kantige Fressen, coolen 80er-Stil und eine extrem erinnerungswürdige Verfolgungsjagd, ansonsten aber nichts neues als die Erkenntnis: Eure Freundin wird euch vermutlich verlassen, wenn ihr sie in solche Filme schleppt.

Staub
R: Hartmut Bitomsky
Unter dem Titel kann man sich natürlich auch einen Endzeithorror nach dem Atomschlag vorstellen, aber 'Staub' ist tatsächlich bloß ein Dokumentarfilm über das Zeug, das unter dem Bett liegt. Bitomsky findet, dass Staub quasi direkt philosophische Dimensionen annimmt, insofern als dass er im Gegensatz zu fast allem auf der Welt tatsächlich immer da ist. Da kann man machen, was man will. Staub ist vor allem aber ein ruhiger Zeitgenosse, und als solcher ein ideales Thema für diejenigen unter uns, die es immer noch nicht verkraftet haben, nicht mehr zur Sendung-mit-der Maus-Zielgruppe zu gehören. Stellt euch also einfach vor, euer Biologielehrer zeigt euch einen dieser Lehrfilme über Osmose und ihr spielt dabei ein bisschen an euch rum. Dafür habt ihr jetzt ja 90 Minuten Zeit.