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Lou Barlow live

Supertyp

22.05.05, Köln, Gebäude 9 Es ist beinahe gespenstisch leer im Gebäude 9. Komisch eigentlich, weil hier doch eine Ikone heute Abend die Halle zieren wird, die seit Mitte der 80er mit verschiedenen Bands Indierock verlangt und mitdefiniert hat. Auf seiner vor kurzem erschienenen ersten Solo-Platt
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22.05.05, Köln, Gebäude 9

Es ist beinahe gespenstisch leer im Gebäude 9. Komisch eigentlich, weil hier doch eine Ikone heute Abend die Halle zieren wird, die seit Mitte der 80er mit verschiedenen Bands Indierock verlangt und mitdefiniert hat. Auf seiner vor kurzem erschienenen ersten Solo-Platte 'Emoh', mit der er eben jetzt auf Tour ist, zeigt sich ein besonders aufgeräumter Lou Barlow, der übrigens vor kurzem auch Papa wurde. Dies ist Barlows letzter Gig in Deutschland und er ist sehr nervös an diesem Abend, wie er selber sagt. Das schadet nichts. Die Ressourcen an großartigen Songs, ob Sebadoh, Folk Implosion, seine Sentridoh-Home-Recordings oder die neuen Songs nun, ist so scheinbar unerschöpflich, dass alles andere drum herum schöne luftige Beigabe ist wie Lametta an einem Weihnachtsbaum. Lou Barlows schluffige Art, seine kurzen Desorientiertheiten, die er selbst mit Metalächeln bedenkt, die Pausen, seine sich selbst kommentierende Amüsiertheit.

Und er ist in freimütgster Redelaune. "Getting personal doesn't make him uncomfortable", konstatierte mal eine Interviewerin über Barlow. So viel erfährt man sonst nur, wenn man mit dem Künstler trinkt oder küsst. Da wird nichts ausgelassen, die "ups and downs" einer 17jährigen Beziehung (ein anerkennendes Raunen zieht durchs Publikum) genau wie kleine Seitenhiebe auf Dinosaur Jr., die ja kurz vor der Reunion stehen. Der Song 'Freed Pig' ("Now you will be free / With no sick people tugging on your sleeve") auf Sebadoh III, den habe er für J. Mascis geschrieben. Da er sich, wie Lou mehrmals betont, sicher war, dass Mascis ihn nie hören würde. Nein, die Ohren habe er sich zugehalten. Obwohl es doch ein hübscher Song sei. Zwinker.

Eben, so viele hinreißende Songs. Das als 'Happy Song' mißverstandene 'Brand New Love' oder 'Think'. Großartig auch 'Magnet's Coil' des Sebadoh-'Bakesale'-Albums oder Folk Implosions 'Easy'. Und obwohl Barlow selber scherzt 'hier wolle bestimmt niemand einen alten Mann sehen, der sein neues Zeug spielt', tut er gut daran. Die neuen Songs sind ebenfalls toll, persönlich und berührend bis heiter: 'Legendary', 'Puzzle', 'If I Could', 'Mary', 'The Ballad of Daykitty'.

Für weitere Freude sorgen Lous Anpreisungen seiner neuen CD usw. und seine charmanten Ansätze, Deutsch zu reden: von "Orangekatze" (zum Song Daykitty) bis "häässlisch" (zu seinen mitgebrachten T-Shirts). Die ganze Geschichte zu Daykitty, die würde, wie so einiges, den Rahmen hier sprengen. Klar ist allemal, dass Lou Barlow ein flammender Katzenvereher ist.
Im Ganzen ein Abend, der, was brillantes Songwriting und blendende Verfassung des Künstlers betrifft, ähnlich offenbarend war wie Evan Dandos Soloauftritt vor kurzem an gleichem, nur gefüllteren, Ort. So unkaputtbar wie nur was. So wie die 2-Mann-Fraktion etwa neben mir, die in Bruce Springsteen-Manier und ehrlicher Euphorie am Rande der Sprachlosigkeit, aber eben nur am Rande, kommentiert und frohlockt: "Spitzentyp, also..., Supertyp!"