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»Superorganism«

Superorganism

Wo Superorganism sich in den letzten Monaten ihren Weg bahnten, stießen sie auf Superlative und euphorische Faszination ob ihrer stilistischen Ungreifbarkeit. Aber kann diese Koalition der internationalen Musik-Nerds mit ihrem Albumdebüt diesen Ruf auch festigen?

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Der Begriff der Nerds und Weirdos macht in den letzten Jahren eine Umdeutung durch. Wer einst als verschroben und eigenbrötlerisch galt, nimmt diese Zuschreibung heute genüsslich hin, stellt sie auf ein Podest und freut sich mit anderen darüber, dass nicht alle gleich ticken. Betrachtet man die acht Mitglieder von Superorganism, hat man das Gefühl, einem Künstlerkollektiv gegenüberzustehen, das eben nicht dem Normierungsdrang der Industrie zum Opfer fiel. Mit dem Song »Something For Your M.I.N.D.« fütterten sie 2017 die Hype-Maschine im Netz, sodass sich bereits früh Gerüchte über eine Supergroup bekannter Musiker breitmachten. Bei den sympathischen Musik-Nerds handelt es sich aber doch um ganz einfache Menschen, die durch ihre Liebe zur Musik und ihre eigenwillige Interpretation des Pop-Begriffs zueinanderfanden. Das Ergebnis ist so facettenreich oszillierend wie ein LSD-Traum. Jeder Song eröffnet eine ganze Welt, klingt fresh und bleibt trotz aller Weirdness Pop. Aber Supergruppen sind ja sowieso langweilig, die Überlebenschancen eines Organismus’ wie dem hier vorliegenden sind da deutlich größer.
Konstantin Maier


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Beim Konzert des Electro-Pop-Kollektivs Superorganism auf dem Eurosonic Festival steht eine von bunten Musikern übervolle Bühne vor einer großen Video-Leinwand. Es riecht nach Kunsthochschule. Die einen tragen poppig-bunte Regenjacken, die kindgroße Sängerin eine 3D-Brille. In der Berliner Volksbühne wären sicher alle von so viel Installation begeistert, das Konzert hier hangelt sich indes am Rande des Playbacks ins Feld der erschöpften Erwartungen. Am nächsten Tag ruft ein grauhaariger Kollege vom DIY Magazine aufgrund dieser Band die »Zukunft der Pop-Musik« aus. LSD?

Wo Rauch ist, ist auch Feuer, heißt es. Dem Hype steht leider nur wenig Entflammendes gegenüber. Die besseren Teile des Albums klingen wie eine niedliche Version des Go! Team, anderes wirkt, als hätte Frank Zappa gelangweilt mäßigen Electro-Pop neu sortiert, während Stefan Raab unkontrolliert auf die Tasten seines Samplers haut. Darin liegt dann auch der Psychedelic-Faktor und die letzte der ach so vielen Facetten des Band-Stils. Stünde Brian Eno hinter diesem »frechen« »Künstlerkollektiv« »ohne Bock auf irgendwelche Grenzen«, wäre der Name des Albums wahrscheinlich »Music For Internet Commercials«. Ist das wirklich ein Superorganismus? Eigentlich ist es eine klassische Band mit einem Visual Artist und drei Leuten, deren Tätigkeitsbereich grundsätzlich mit »Background-« beginnt. Sie sind international wie die Les Humphries Singers, aber was hilft es, wenn man sich für ein Effektboard hält und vergessen hat, die Musik im Blick zu behalten?
Carsten Schumacher

Superorganism

Superorganism

Release: 02.03.2018

℗ 2018 Domino Recording Co Ltd