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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Orchestre Philharmonok

Sun OK Papi K.O.

Scheppern. Nein, eigentlich muss da ein Imperativ her: Scheppern! So und nicht anders muss es lärmen, wenn der Belgier Laurent Baudoux, eine gewesene Hälfte von Scratch Pet Land, sich solo an Niedlich-Noise heranmacht und einem der ewigen Geheimnisse von Kreativität auf der Spur ist: der Naivität. D
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Scheppern. Nein, eigentlich muss da ein Imperativ her: Scheppern! So und nicht anders muss es lärmen, wenn der Belgier Laurent Baudoux, eine gewesene Hälfte von Scratch Pet Land, sich solo an Niedlich-Noise heranmacht und einem der ewigen Geheimnisse von Kreativität auf der Spur ist: der Naivität. Die Samples klappern im Random-Pop-Modus durcheinander, dumm verzerrte Gitarren rattern dazwischen, und obendrauf zerhackt ein gewisser MC Illreme die japanische Sprache in kleine Aggro-Happen. Apropos MC: Laurent Baudoux würde vermutlich behaupten, dass das, was er da mit seinem Spielzeug-Instrumentarium und den gesammelten Geräusch-Skurrilitäten so anstellt, eindeutig HipHop, Dancehall oder gar Grime ist, denn die Musikmuster, an die er sich in seiner Fan-Begeisterung anlehnt, bleiben in ihrer Struktur intakt, nur klingen sie hier ganz anders und neu. Aber vielleicht sagt Baudoux doch lieber Spontan-Core dazu. Auf dem Sun-OK-Papi-K.O.-Debüt „Orchestre Philharmonok“ geht es in jedem Fall um eine fröhliche und oberflächliche Lautheit wie beim Kindergeburtstag, das ist vielmehr Krach und nicht Fett, jegliche Virtuosität wird im Generaldilettantentum ja als komplett überflüssig angesehen. Es gibt also einiges an ungehört Idiosynkratischem und an Seltsamkeiten zu entdecken auf dieser Platte. Seltsam ist aber auch, dass die meisten Stücke mit ihrer Quirligkeit und ihrem je nach privater Toleranzgrenze und Tagesverfassung eventuell nicht zu verleugnenden Nervfaktor irgendwie zu lang wirken. Das „Intro Otcho“ z. B. breitet mehr oder weniger zufälliges Melodiefiepen und Stotter-Percussions ohne große Entwicklung auf viereinhalb Minuten aus. Schrille Ideenplatten wie diese, die ganz vom Aufblitzen und Verwerfen, von ihrem schnellen Verglühen leben, könnte man auch auf 7-Inches pressen und sie wären doch ganze Alben. Aber: Was sollte denn bitte der Dubstep-Selecta mit einem 20-Sekunden-Track anfangen?