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Come On Feel The Illinoise

Sufjan Stevens

Schwer zu sagen, was Sufjan Stevens liebenswerter macht: seine gigantomanische und - zumindest auf den ersten Blick - Hardcore-patriotische Idee, zu jedem US-Bundesstaat ein Konzeptalbum zu veröffentlichen, oder die Alben selbst. Zum Konzept: Jetzt, bei Erscheinen des zweiten Werks, wird bei all der
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Autor: intro.de

Schwer zu sagen, was Sufjan Stevens liebenswerter macht: seine gigantomanische und - zumindest auf den ersten Blick - Hardcore-patriotische Idee, zu jedem US-Bundesstaat ein Konzeptalbum zu veröffentlichen, oder die Alben selbst. Zum Konzept: Jetzt, bei Erscheinen des zweiten Werks, wird bei all der gebotenen Freude klar: Stevens muss sich beeilen. Denn wenn er so langsam weiterarbeitet (alle zwei Jahre eine Platte), würde er erst in knapp 100 Jahren fertig werden - zusätzlich zu komponierende Alben für etwaige neue US-Bundesstaaten mal ausgenommen. Und es wäre ihm zu wünschen, dass er seine programmmusikalische Reise, die bei Vollendung KLFs "Chill Out" oder Smetanas "Moldau" in nichts nachstehen wird, vollendet. Wir brauchen diese Alben, gerade wenn - wie jetzt bei Illinois - wieder klar wird, dass der harte Formalismus der Aufgabe Stevens' Kreativität eher anzustacheln als niederzuringen scheint. Denn: Auch sein neues Album ist das Gegenteil von zusammengeschustert. Der Multiinstrumentalist Stevens gleitet in seiner Hommage an Illinois - an Chicago, Al Capone, Superman usw. - wie auf Schwingen durch den Indie-Pop-Nebel. Dabei hält er sich mal an die Schrankenlosigkeit Badly Drawn Boys, mal an das Verschüchtert-Domestizierte von Belle & Sebastian. Das wunderschöne Kernstück der 22 (!) Songs über Illinois, "Chicago", läutet zudem eine Wachablösung ein: Wenn Stevens über seinen Aufenthalt in Chicago singt "We slept in parking lots / I don't mind / I don't mind" und dann hinter ihm wunderschöne Trompetenmelodien jene Verse adeln, dann spürt man, dass "Washington, D.C." von Magnetic Fields - der schönste Städte-Song der letzten Jahre - endlich einen würdigen Nachfolger gefunden hat. Und: dass man gerne dabei gewesen wäre. In diesem Auto in Chicago.

PS: Sufjan Stevens hat jetzt selbst nachgerechnet und will seinen Output erhöhen: Laut Informationen seines US-Labels Asthmatic Kitty könnte noch dieses Jahr ein Weihnachts-Doppelalbum folgen, bereits vorher möglicherweise eine "EP zu einem kleineren Staat".