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Das Grauen hat ein junges Antlitz

"Sued(e)palooza"-Tour mit NO FUN AT ALL, REFUSED, LIBERATOR, THE HIVES

Als hehrer Idee, das stilübergreifende Programm des schwedischen Labels "Burning Heart" vorzustellen, wurde "Sued(e)palooza" bereits im Vorfeld der eine oder andere Riegel vorgesetzt. So sollte die Tour eigentlich unter dem Namen "Volvopalooza" durch deutsche Lande ziehen, was einigen hohen Tieren i
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Autor: intro.de

Als hehrer Idee, das stilübergreifende Programm des schwedischen Labels "Burning Heart" vorzustellen, wurde "Sued(e)palooza" bereits im Vorfeld der eine oder andere Riegel vorgesetzt. So sollte die Tour eigentlich unter dem Namen "Volvopalooza" durch deutsche Lande ziehen, was einigen hohen Tieren in der Chefetage des schwedischen Lehrergefährts allerdings überhaupt nicht in den kleinbürgerlichen Kram paßte. Da man keine anderen Sorgen hatte, hielt man eine Prozeßandrohung für nötig und erzwang so die Umbenennung der Veranstaltung. Schließlich unterwegs, mußten sich Label und Bands eingestehen, dem größtenteils NO FUN AT ALL-hörigen Publikum wohl doch zuviel zugetraut zu haben, so daß die zwei abwegigsten Bands der Veranstaltung, THE HIVES und REFUSED, auf wenig Gegenliebe, wenn nicht sogar pure Mißachtung stießen. Bei den Openern THE HIVES war dies immerhin noch durch den eklatant schlechten Sound erklärbar. Den bis zu diesem Zeitpunkt nicht sehr zahlreich erschienenen MelodyCore-Kids jedenfalls schien die weirde Rockabilly-Dreckspunkversion des Fünfers (mit Teilzeitschweineorgel) gehörig am Arsch vorbeizugehen.
LIBERATOR dann konnten einen kleinen Achtungserfolg alleine dadurch verbuchen, daß ihre Musik die partykompatibelste des gesamten Abends war. Sich auf den brillant gespielten Ska einer siebenköpfigen Männerrunde in schickem Zwirn einzulassen erfordert nun wirklich nicht viel Aufmerksamkeit - was den Auftritt nicht schlechter macht, verstehen Sie mich richtig!
Absolut ernüchternd dann muß der REFUSED-Set für die Band selbst gewesen sein. Kaum jemand kannte sie, kaum jemand wollte sie, und ihre umwerfend kreative Mischung aus Samples, Live-Energie und kranker Bühnenshow verpuffte wirkungslos in der stickigen Hyde Park-Luft. Perlen vor die Säuglinge! Hätten sie nicht "Rather Be Dead" gespielt, hätte vielleicht nur eine Person (nämlich moi) im Publikum zum Schluß euphorisch Beifall geklatscht. So waren es vielleicht dreißig. Intolerante Poke! Geht doch, wo Ihr wohnt! Aber nein, erst mußte ja noch die selten langweilige Lalala-Punkversion Nr. 3078, NO FUN AT ALL, abgefeiert und vollkommen zu Unrecht über den grünen Klee gelobt werden. Schließlich will man sich nicht umsonst von Mama zum Konzert fahren lassen - einmal zwanzig Minuten auf der Bühne stehen, bevor man springt, muß schon drinsein.
Ich jedenfalls habe ein neues Feindbild: halblange blonde Haare, LAGWAGON-Longsleeve und nachher den selten dummen Satz "Also REFUSED fand ich scheiße - wie die schon aussahen!" auf den schmalen Teenie-Lippen. Bitte, schmeißt mich tot mit "Du hast ja keine Ahnung, Du Oller!"-Leserbriefen!