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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Geboren, um diese Welt zu regieren

Sudan Archives im Gespräch

Auf ihrer selbstbetitelten EP singt Sudan Archives im Song »Wake Up« die wundervollen Zeilen: »I got too much swag / That’s why I ain’t got no friends / I’m too confident.« Die Musik dazu: Geigen, HipHop, Soul. Eine selbstbewusste und vor allem seltene Mischung. Henrike Schröder traf Sudan Archives in Düsseldorf.
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Im Radio läuft »Straight Up« von Paula Abdul, als Sudan Archives den Unterschied zwischen US-amerikanischer und sudanesischer Musik erklärt: »Wenn dieser Song aus dem Sudan käme, würde man wahrscheinlich Geigen statt Synthesizer hören.« Geigen als Rhythmusinstrument und nicht im klassischen Sinne, wie Sudan während des Gesprächs immer wieder betont: »So wurden Lieder wie ›Come Meh Way‹ vom sudanesischen Sound geprägt: nur Gesang und Geige und wieder Gesang und Geige.« Sudan heißt mit bürgerlichem Namen Brittney Denise Parks und lebt mittlerweile in L.A. Die Geschichte, wie sie zu ihrem Sound kam, rattert Sudan Archives mittlerweile runter wie im Schlaf, weil sie natürlich jeder hören will: Durch eine Gruppe Geiger wird sie zu Schulzeiten auf das Instrument aufmerksam. Ihre Mutter kauft ihr sofort eine Geige, doch Musikunterricht gibt es an ihrer Schule nicht. Also lernt sie, nach Gehör zu spielen, erst in der Kirche, später durch Beyoncé, Jamie Foxx, Kanye West und all das, was sie bei »MTV Countdown« zu hören bekommt.
Dann folgt der nächste Impuls: »Ich wollte immer herausfinden, was es bedeutet, Afroamerikanerin zu sein. Also schlug ich die Geschichte jedes einzelnen afrikanischen Landes nach – nur so aus Spaß. Ich dachte, wenn ich alles über die Länder weiß, würde ich erkennen, wo meine Vorfahren herkommen«, erklärt sie. »Und als mir meine Mutter den Spitznamen Sudan gab, wollte ich mehr über dieses Land erfahren. Ich las viel über die Musikgeschichte und diese wahnsinnige Violinkultur. Jedes Lied beinhaltet dort Geigen«, erzählt Sudan und tippt dabei auf ihrem Handy rum, bis sie gefunden hat, wonach sie sucht: ein Video, wacklig abgefilmt vom Laptop, in dem eine sudanesische Band auf einer mit grünem Stoff ausgekleideten Bühne spielt. »Die Ausstattung ist immer komisch, irgendwie schäbig. Aber mir gefällt’s«, erklärt sie aufgeregt kichernd. »So was findet man nur auf YouTube.«

Als Musikplattform und vor allem als Archiv wird YouTube zwar gerne als gigantischer Datenfriedhof verurteilt. Für Sudan wird es jedoch gerade durch seinen unkontrollierbaren Charakter zum perfekten Archiv, aus dem sie Inspirationen für ihren Sound zieht. »In gewisser Weise glaube ich«, beginnt sie erneut, als hätte sie das gesamte Gespräch über auf diesen Moment gewartet, »dass ich eine nubische Königin bin, vor fünf Millionen Jahren geboren, um diese Welt zu regieren. Und« – ihre Stimme geht kurz in ein leichtes Lachen über – »dass meine Mutter mir diesen Namen gab, das war vorherbestimmt. Die Wiedergeburt der nubischen Königin, die jeden in ihren Bann zieht.«

Sudan Archives

Sudan Archives - EP

Release: 14.07.2017

℗ 2017 Stones Throw Records