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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Suck It And See

Arctic Monkeys

Die arktischen Affen galten einst als sexy abgehangenes Sinnbild der Generation MySpace. Nun ist MySpace allerdings spürbar down, und die Milchbubis sind ein paar Platten weiter. Zweite Luft oder Puste aus?
Geschrieben am
PRO: Schluss mit Rock-Schwurbel, adieu »Humbug«. Die beiden vorab veröffentlichten Songs (»Brick By Brick« und »Don’t Sit Down Cause I’ve Moved Your Chair«) legten mit ihrer Riff-orientierten Härte und Schwere noch falsche Fährten und schienen »Suck It And See« an die jüngste Platte anknüpfen zu lassen. Doch die Summe der neuen Stücke ist wieder zugänglicher und melodischer. Halleluja. Im Kern darf man in diesem – wieder von Josh Homme mitproduzierten – Album eine lupenreine Popplatte mit Hinwendung zur Romantik sehen.

Vor allem in der zweiten Albumhälfte gelingen der Band nonchalante, mutige und sehr erwachsene Kompositionen, die, wenn man sich auf die naive 60s-Ästhetik einlässt, zu den bis dato schönsten Momenten der Bandhistorie zählen dürften. »I put my aching heart into a pop song«, konstatiert Alex Turner an einer Stelle. Es ist das Sinnbild für das Zulassen einer neuen Verletzlichkeit innerhalb der Band, ohne in destruktiven Antagonismus zu verfallen. Emo-Britpop quasi. In jedem Fall eine abermals tolle Platte, die den hedonistischen Gestus der Frühphase endgültig abstreift und für eine neue Form der Tiefenschärfe sorgt.

Kai Wichelmann

CONTRA: Die Demokratie frisst ihre Kinder – und der Pöbel darf fressen, was hinten rauskommt! Mit den Worten des notorischen Internet-Hype-Phänomens Arctic Monkeys: »Suck It And See«. Was denn? Auf dem so betitelten vierten Album ist ja nur Scheiße drauf. Kein Trotz in den Melodien, kein Frosch in Alex Turners Hals. Nicht ein Funken Sehnsucht nach Weltflucht als Kontrapunkt zur Bodenhaftung braver Jungs.

Früher gab’s alles im Paket. Dank erhebender Runterzieher wie »Despair In The Departure Lounge« war die nordenglische Soundtrack-für-Arthouse-Komödien-Welt bis mindestens 2006 in Ordnung. Hits für Dämmerungen aller Art und für die großen Festivalbühnen inklusive. Seitdem pflegen Arctic Monkeys die Regression. Vielleicht sollte ihr schlaues Label Domino das Plattenvertrags-Abo mal kündigen. Oder will man dort den Beweis führen, dass im Netz gehypte Bands genauso elend verenden wie solche, die von Musikbiz-Tyrannen am Reißbrett entworfen wurden? Das müssen die Fans erst mal verdauen: Mit diesem Album klingt britische Musik nicht mehr anders als vor Malcolm McLarens Erfindung der Sex Pistols – nämlich wie Pubrock aus der Muckerbude. Seelenlos und öde.

Wolfgang Fromberg