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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Label-Special

Sub Pop

Innerhalb von gut 10 Jahren avancierte die 531000 Einwohner zählende Stadt Seattle vom "Arsch der weit" zur dritten Trendmetropole neben New York und Los Angelos. Ohne das von Radio DJ Jonathan Poneman und Szene-Guru Bruce Pavitt gegründete Label SUB POP -der Name stand zuerst nur für ein Fanzine- g
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Innerhalb von gut 10 Jahren avancierte die 531000 Einwohner zählende Stadt Seattle vom "Arsch der weit" zur dritten Trendmetropole neben New York und Los Angelos. Ohne das von Radio DJ Jonathan Poneman und Szene-Guru Bruce Pavitt gegründete Label SUB POP -der Name stand zuerst nur für ein Fanzine- gäbe es nicht die weltberühmte Seattle Szene. Bands wie MUDHONEY und NIRVANA würden wahrscheinlich immer noch in einer Garage irgendwo in Seattle spielen und auf den großen Erfolg hoffen. Mit einem Startkapital von 700$ machten die beiden Manager aus dem kleinen Label das derzeit wohl einflußreichste "lndependent"-Label der Welt, auf dessen Entwicklung auch große Majorlabel schielen, um den nächsten großen Schlager aus dem Nordwesten nicht zu verpassen. Was ist also das Erfolgsrezept Ponemans und Pavitts?

Poneman meint, daß die Konzentration auf lokale Bands, Entwicklung von persönlich bindenden, langfristigen Beziehungen der Musiker untereinander und eine Rückbesinnung auf die alten Werte von "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" dazu beitragen, daß das Label Erfolg hat Gleicher Produzent (Hohepriester Jack Endi-no - SKIN YARD), gleiches Studio und nahezu gleiche Musiker optimieren die Chancen auf Erfolg.

1980 fing alles mit der Veröffentlichung von GREEN RIVERS "Dry as a Bone" an. Als sich GREEN RIVER splittete, gründete Mark Arm MUDHONEY und Jeff Ament, Stone Gossard (beide später PEARL JAM) mit Neuzugängen wie Fairweather, Gilmore und dem legendären Andrew Wood die Band MOTHER LOVE BONE. Noch vor dem Erscheinen der LP "Apple" stirbt Sänger Andrew Wood an einer Überdosis und die restlichen Mitglieder starten mit SOUNDGARDEN Sänger Chris Cornell, McReady (später PEARL JAM) und Matt Cameron (SOUNDGARDEN) das Projekt TEMPLE OF DOG, daß zu einem Klassiker avanciert.
"Alles hängt mit allem zusammen." Jeder beeinflußt Jeden. Chaos-Theorie am Beispiel Seattle...
Heute wird das berühmte Label von vielen Bands als ideales Absprungbrett in die Welt der großen Majors genutzt (z.B. SOUNDGARDEN wechselte ZU A&M, NIRVANA zu Geffen usw.).

Mittlerweile scheint das ganze SUB POP Ding aber immer mehr zu einem riesigen Hype zu werden. Man spricht vom "Sound of Seattle". Aber kann man überhaupt von einem Sound sprechen? Wer will den Stil MUDHONEYS mit dem von PEARL JAM vergleichen? Was die SUB POP Bands verbindet, ist der Mut zu Wahrheit und Ehrlichkeit. "Grunge" (ungewaschen) oder "Sleaze" (schäbig) bezeichnet man die Musik aus SUB-POP-Rock-City. Egal wie man dieses Phänomen betitelt, die Bands haben alle ihren unterschiedlichen individuellen Stil. Und nur dann werden sie auch vom Publikum angenommen. Natürlich gibt es immer einige Bands die einfach kopieren, ob sie aber jemals den Ruhm und die Intensität ihrer Vorbilder erreichen, ist mehr als fraglich.

Fest steht aber, daß die nächste Genera¬tion großer SUB POP Bands wie AFGHAN WHIGS, LOVE BATTERY, TREEPEOPLE, MY SISTERS'S MACHINE, SEAWEED USW. den Erfolg SUB POPs garantieren und weiter¬hin auf Großes hoffen lassen. Seattle lebt! Und SUP POP erst recht.


Auch in Deutschland ist das SUB POP-Ding dank der "weltgewandten Bauern" vom GLITTERHOUSE-Label (Lizenznehmer u.a. bei SUP POP) weit verbreitet und beliebt. Auf die absoluten SUB POP Riesen wie NIRVANA, MUDHONEY, SOUNDGARDEN usw. braucht man an dieser stelle ja wohl nicht mehr einzugehen, die neuen oder etwas unbekannteren Zugpferde im Stall von SUP POP sollen aber kurz vorgestellt werden:

Zuerst wäre da einmal der dicke Onkel Doyle, der, unterstützt von NIRVANA-Producer Butch Vig, 1991 mit seiner Band TAD das Album "8-Way-Santa" aufnahm. "The Butcher from Idaho", wie der schwergewichtige Sänger zärtlich genannt wird, singt aber nicht etwa über seine Gewichtsprobleme, sondern erzählt von erlebnisreichen Geschichten mit seinen Freunden Jack Daniels und Pepsi. Von wegen "Don't drink and drive"... Knallharten Biker-Grunge präsentieren Tad Doyle, Steve Wied (drums), Kurt Danielson (bass), Gary Thorstensen (guitar) auf ihrem aktuellsten Wunderwerk (hört Euch 'mal "Jinx" an).

Denn LOVE BATTERY sind das angesagteste Ding der neuen Generation. Hardcoregrunge, der zeitweilig an SCREAMING TREES erinnert, setzt Fans psychedlischer Sleaze-Musik unter Strom und der gute alte JIMI HENDRIX dreht sich im Grab (in Seattle) um. Warum muß es auf dem Friedhof auch immer so leise zugehen?! Die vier Jungs aus Seattle, die alle schon in anderen Bands mitwirkten (Z.B. U-Men, SKIN YARD, ROOM 9 usw.), elektrisieren und improvisieren. Nach ihrer Mini LP "Between the Eyes" erschien vor kurzem der Kracher "Dayglo". Dieses Überalbum unterscheidet sich von allem, was Sub Pop Mania bisher herausbrachte. It's jazzy, it's grungy and sleazy, it's LOVE BATTERY!

AFGHAN WHIGS platzen mit ihrem zweiten Album "Congregation" in die Musik¬geschichte als ob sie den Urknall für sich gepachtet hätten. Eine gewaltige Mischung aus R&R, scharfen Riffs und bret-ternden Rhythmen fetzten einen brodelnden Groove durch die Gehörgänge und machen die Jungs zum heißesten Ding seit NIRVANA.

Obwohl sie ausdrücklich nicht aus Seattle kommen, wissen BULLET LAVOLTA mit einem eigenständigen, abgefahrenen Stil Aufmerksamkeit zu erlangen, ihr drittes Album "Swan Dive" klingt außergewöhnlich und läßt keinen Zweifel aufkommen, daß SUB POP mit diesem Deal 'mal wieder einen absoluten Knaller gelandet hat.

Ein bißchen MUDHONEY, ein bißchen Blues und die stimme von Schreihals Mark Arm: Das ist die außergewöhnliche Mischung mit der THE MONKEYWRENCH auf ihrem Erstlingswerk "Clean as a Broke-Dick Dog" zu überzeugen wissen. Dieses Blues-Punk-Projekt klingt einfach nur cool und nicht wie die sonst so grungig-stressigen Neunzigerbands.

Über die kreischenden Girls von L7 braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Mit "Smell The Magic" erlang¬ten sie ihren Durchbruch. MUDHONEY meets Östrogen, Interview in diesem Heft...
THE REVEREND HORTON HEAT zeigen auf
"Smoke 'em if You Got 'em", daß SUB POP auch anders klingen kann. "Pscho-Billy" allererster Sahne bringt das Trio auf den Plattenteller. Nicht besonders innovativ und revolutionär, aber solide klingt die simultan eingespielte Musik der Rock'n'Roll-Combo. Typischer kann Rock'n'Roll wohl kaum sein.
"Weak" heißt die Platte nach ihrem Debüt mit "Despised", aber schwach klingen SEAWEED aus Tacoma nicht, im Gegen¬teil: Gitarrenmusik die alles verbindet, was in den letzten Jahren seltsames in der Musikszene passiert ist. Klare Songs¬trukturen mit leichtem Punkflair und "Heavy-Einflüssen" sorgen für ein ener¬giegeladenes Musikerlebnis.
GREEN MAGNET SCHOOL brennen sich mit superschrägem Feedbackpop und sphärischen Klängen in des Hörers Hirn ein. Auf "Bloodmusic" powern die drei(!) Gitarristen chromatische Skalen und feedbackgeschwägerte Riffs durch Deine Boxen und lassen Dich an Deinem Musik¬verstand zweifeln.